KöLN - Das Alter hat für Udo Lattek jeden Schrecken verloren. „Daran kann ich sowieso nichts ändern. Und über den Tod denke ich auch nicht mehr nach“, sagt der achtmalige Meistertrainer der Fußball-Bundesliga. „Wenn es Zeit ist zu gehen, ist es eben soweit, nur leiden will ich nicht. Mich schreckt nichts mehr“, betont Lattek, der in seiner Laufbahn insgesamt 15 Titel gewann und an diesem Sonnabend seinen 75. Geburtstag feiert – wie immer im Familienkreis.

Für Aufregung sorgt der Lehrer für Sport und Englisch aber noch heute. Bereits am Sonntag ist er wie gewohnt als TV-Experte beim „Doppelpass“ im Einsatz. Anschließend wird Lattek an diesem Sonntag (13 Uhr/DSF) noch eine eigene Sendung gewidmet. „Mit einigen Überraschungsgästen“, sagt Lattek.

Seit mehr als 14 Jahren kommentiert er das Bundesliga-Geschehen – was er erzählt, hat Gewicht. „Ich würde gerne bleiben“, so Lattek, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Auch der TV-Sender scheint zufrieden zu sein. „Sie würden mich nicht halten, nur weil ich ein sympathischer Typ bin“, meint Lattek kokett und spielt auf sein streitbares Image an.

Dabei sei er in seiner Jugend eher ruhig gewesen. „Meinen Lehrern bin ich meistens erst dann aufgefallen, wenn ich im Unterricht gefehlt habe“, berichtet der gebürtige Ostpreuße. Mit 30 wurde der ehemalige Student an der Kölner Sporthochschule Assistent von Bundestrainer Helmut Schön und übernahm fünf Jahre später als Chef die Bayern.

Als Trainer hatte der gewiefte Taktiker seine Karriere eigentlich 1987 beendet, ehe er sich mehrmals reaktivieren ließ und für Köln, Schalke und Borussia Dortmund aktiv war. Den BVB rettete Lattek, der als einer von nur wenigen Trainern alle drei Europapokal-Titel gewann, 2000 sogar vor dem Abstieg.

„Ich wollte die Spieler immer von meinen Ideen überzeugen“, betont Lattek, der ein feines Gespür für die Stimmung im Team besaß. Dabei wurde der ehemalige Oberligaspieler des VfR Wipperfürth oft als knallhart bezeichnet, heute gewährt er Einblicke in sein Gefühlsleben. „Persönliche Schicksalsschläge gehen mir nahe. Nichts ist schlimmer als der Verlust des eigenen Kindes“, sagt Lattek, dessen 15-jähriger Sohn 1981 an Leukämie starb.

Der passionierte Skilangläufer wechselte daraufhin nach Spanien zum FC Barcelona. Dort trainierte er Weltklasse-Spieler wie Diego Maradona, eine Zusammenarbeit mit Johan Cruyff war ihm aber nicht vergönnt. „Er war eine Persönlichkeit“, lobt er. „Mit ihm hätte ich aber wohl Krach bekommen, weil er seinen eigenen Kopf hatte – genauso wie ich.“