KöLN - Der 53-Jährige ist eine Art Statthalter der Russen in Deutschland. Täglich muss er Anfragen anderer Clubs und Sportarten abwehren.
von hauke richters
KÖLN - „Bei mir zuhause standen die im Keller und haben schon angefangen, Schimmel anzusetzen. Da machen die sich hier doch viel besser.“ Harald „Toni“ Schumacher zeigt auf zwei goldene Trophäen, die er 1984 und 1986 bei seiner Wahl zum „Fußballer des Jahres“ erhalten hatte. Die Auszeichnungen stehen anstatt im dunklen Keller nun im modern gestalteten Konferenzraum der Sportmarketing-Agentur Sports First, die Schumacher in Köln mit zwei Partnern betreibt. Auf zwei Etagen beschäftigt die Agentur 16 Mitarbeiter.Der ehemalige Weltklasse-Torhüter hat sich dabei auf die Akquise von Werbepartnern für Fußballclubs spezialisiert. „Wir schreiben Konzepte für Sponsoren und wir schreiben Konzepte für Vereine“, erklärt Schumacher und verfällt ab und an in seinen kölschen Dialekt. „Unsere Idee ist dabei, dass ein Verein nur mit wenigen Partnern zusammenarbeiten sollte, dafür aber intensiv auf die Bedürfnisse des Sponsors eingehen muss. Für diese Exklusivität müssen die Partner dann natürlich auch etwas mehr Honorar zahlen. Denn wenn der Fan im Stadion 25 verschiedene Firmen auf der Werbebande sieht, fragt er sich nach dem Spiel: Wer war da jetzt eigentlich alles?“
Bayer Leverkusen zählt zu Schumachers Kunden, für Mainz 05 hat er bereits gearbeitet, und „bei Hansa Rostock bahnt sich etwas an“. Dass sein Name und seine Reputation als zweimaliger Vize-Weltmeister einige Türen öffnen, nutzt der 53-Jährige dabei gern.
Bei seinem wohl spektakulärsten Abschluss arbeitet Schumacher aber nicht für einen Verein, sondern für einen finanziell extrem potenten Konzern: Der Ex-Nationaltorwart koordiniert die Aktivitäten des russischen Energieriesen Gazprom bei Schalke 04.
„Die Verbindung Schalke - Gazprom ist auf politischer Ebene zustande gekommen, daran waren wir nicht beteiligt“, erzählt der 76-malige Nationalspieler. Erst bei der Suche nach einem Sponsoring-Konzept kam seine Agentur ins Spiel. „Der Geschäftsführer von Gazprom Germania kannte meinen Geschäftspartner Markus Bockelkamp – so sind wir zum Wettbewerb um die Auftragsvergabe eingeladen worden. Glücklicherweise haben wir ihn gewonnen.“
Nun kümmert sich Schumacher in Gelsenkirchen unter anderem um die richtige Platzierung der Werbebanden, die Reisepakete der Edel-Fans bei Auswärtsspielen und um die Bereitstellung von VIP-Karten für Gäste aus Russland. In der vergangenen Woche reiste eine Schalker Delegation aus Vorstand und Trainer nach Sibirien, um dort Gas-Förderanlagen zu besichtigen. Den Trip hatte Schumacher angeregt.
Das Volumen des Geschäfts mit Schalke – der Club kann bei bestimmten sportlichen Erfolgen in den kommenden fünfeinhalb Jahren über 100 Millionen Euro aus Russland erwarten – weckt Begehrlichkeiten. „Es gibt täglich mehrere Anfragen von Clubs aus den verschiedensten Sportarten, die auch gesponsort werden möchten“, sagt Schumacher. „Aber die Aktivitäten von Gazprom werden in Deutschland erst einmal auf Schalke beschränkt bleiben. Das ist eine hausinterne Gazprom-Entscheidung.“
Das Kölner Fußball-Idol scheint in seiner Arbeit in Hemd und Krawatte aufzugehen. „Ich komme genauso viel herum wie zu meiner aktiven Zeit. Und im Fußball-Geschäft bin ich nun einmal drin, das ist ja ein bisschen wie im Zirkus.“ Bei Länderspielen betreibt der gebürtige Dürener Kontaktpflege, außerdem ist er fast jedes Wochenende in einem Bundesliga-Stadion anzutreffen.
Vor einigen Jahren noch schien Schumacher den Weg vieler Ex-Profis einzuschlagen; er wurde zunächst Trainer. Zwischen den Engagements in Dortmund und Leverkusen als Torwarttrainer lag der berühmt gewordene Rauswurf als Chefcoach des damaligen Zweitligisten Fortuna Köln – in der Halbzeitpause bei einem 0:2-Rückstand gegen Waldhof Mannheim.
„Irgendwann hat mich dann mein jetziger Geschäftspartner Bockelkamp gefragt, ob ich mit 60 Jahren immer noch auf dem Trainingsplatz stehen möchte“, berichtet Schumacher. „Er hat mir dann angeboten, in die Sportmarketing-Szene einzusteigen und meine Erfahrungen und Kenntnisse auf anderer Ebene einzubringen. Jetzt weiß ich, dass das der richtige Entschluss war. Meine zweite Karriere macht mir genauso viel Spaß wie meine erste als Sportler.“
