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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: „Krankheit wird mit Schwäche gleichgesetzt“

12.05.2012

BREMEN 10. November 2009 im niedersächsischen Eilvese: An einem Bahnübergang nimmt sich Nationaltorwart Robert Enke das Leben. Der tragische Tod des an einer Depression erkrankten Fußball-Profis von Hannover 96 setzt in Deutschland eine Debatte über psychische Belastungen im Profisport in Gang. Zum Thema „Leistungsdruck, Depressionen und Burn-Out am Beispiel Profifußball“ diskutierten jetzt unter anderem Hannover-96-Präsident Martin Kind und Werder-Nachwuchsmanager Uwe Harttgen bei der Messe „Leben und Tod“ in Bremen.

„Depressionen sind in der Gesellschaft nach wie vor mit einem Makel behaftet“, kritisierte Prof. Dr. Martin Schweer von der Universität Vechta. „Depression wird immer noch mit Schwäche gleichgesetzt. Dabei ist es eine Krankheit“, sagte der Sportpsychologe bei der Podiumsdiskussion auf dem Bremer Messegelände.

Uwe Harttgen wies die Vermutung von Moderator Jens Schnieders (Sat 1) zurück, der Profisport begünstige durch überhohe Leistungsansprüche psychische Erkrankungen schon im Nachwuchsbereich, räumte aber ein: „Grundsätzlich ist es Aufgabe der Vereine, die Belastung für die Jugendlichen zu dosieren. Gute Betreuung ist aber auch eine Frage des Geldes.“ Wenn etwa die schulischen Leistungen nachließen, müssten die Vereine einschreiten.

Laut Harttgen, Doktor der Philosophie, sei es falsch, den Sport isoliert von der Gesellschaft zu betrachten. Gerade im Bereich Nachwuchsförderung würde oft sogar mehr getan als in anderen gesellschaftlichen Bereichen: „Wer überprüft denn was los ist, wenn etwa ein Zehntklässler aus anderen Gründen keine guten Leistungen mehr bringt?“

Hannovers Präsident Martin Kind erinnerte daran, dass Robert Enke sich über Jahre in psychologischer Behandlung befunden habe, dazu über ein intaktes soziales Umfeld verfügt habe. „Geholfen hat auch das leider nicht.“ Im Gegenteil, der Nationaltorhüter habe seine Krankheit mit einem „wahnsinnigen Energieaufwand“ verborgen. Daran und an dem Druck, die Nummer Eins im Tor bei der WM 2010 werden zu wollen, sei Enke wohl dann zerbrochen, vermutete Schweer.

„Die Angst vor dem Kontrollverlust über das eigene Schicksal, wenn er es öffentlich gemacht hätte, war wohl auch ein Faktor“, glaubte Werders Ex-Profi Uwe Harttgen.

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, das es seit dem Fall Enke zumindest leichte Fortschritte gegeben habe. Dies zeige etwa der Fall des Hannover-Torhüters Markus Miller, der sich wegen mentaler Erschöpfung im September 2011 behandeln ließ, dies öffentlich machte und gut drei Monate später wieder ins Training einstieg.

Sportpsychologe Martin Schweer forderte ein gesellschaftliches Umdenken: „Das Thema Leistungsdruck gehört auf den Prüfstand.“ Jan Baßler, Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung, die depressiven Profisportlern Hilfe bietet, glaubt, es sei nötig, die Gesellschaft weiter zu sensibilisieren: „Das gilt auch für die Nichtbetroffenen. Depressionen dürfen kein Tabuthema sein. Der Schutz des Lebens steht über allem.“

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Tim Gelewski Agentur Hanz / Redaktion Jever
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