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NWZonline.de Sport Fußball

In Spanien liegen die Nerven schon blank

14.06.2018

Krasnodar /Moskau Es war ungefähr so, als habe der FC Bayern drei Tage vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland beschlossen, Joachim Löw als neuen Trainer vorzustellen. Und DFB-Präsident Reinhard Grindel habe nach einer unruhigen Nacht entschieden, den Bundestrainer zu feuern und ihn durch Oliver Bierhoff zu ersetzen.

Undenkbar? Nicht in Spanien: Nationaltrainer Julen Lopetegui wurde am Mittwoch von Verbandspräsident Luis Rubiales seines Amtes enthoben, Nachfolger ist Sportdirektor Fernando Hierro. Auch für Löw kam diese Nachricht „vollkommen unerwartet“, wie er am Mittwoch sagte. „Das ist natürlich ein Hammer, da gibt es unnötige Unruhe innerhalb des Verbandes und wahrscheinlich innerhalb der Mannschaft.“

Oh ja. Es ist „ein Erdbeben“, kommentierten die Sportzeitungen in Spanien praktisch gleichlautend den in der WM-Geschichte wohl einmaligen Vorgang. Und nur zur Erinnerung: An diesem Freitag (20 Uhr/ARD) spielt Spanien in Sotschi gegen Europameister Portugal.

Auslöser des Erdbebens: Real Madrid. Die Königlichen hatten am Dienstag bar jeglichen Feingefühls die Verpflichtung von Lopetegui als Nachfolger von Zinedine Zidane hinausposaunt. Ein Unding, sagt der Verband. „Es ist nicht die beste Lösung, aber man darf mir nicht in den Rücken fallen. Nach allem, was passiert ist, konnten wir nicht anders handeln“, sagte Rubiales am Mittwoch. Er betonte, der Verband RFEF sei nicht in die Verhandlungen involviert gewesen, diese Art des Vorgehens könne er nicht dulden.

Lopetegui, der seinen Vertrag im Mai bis 2020 verlängert hatte, machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch. Real zahlt dem Verband zwei Millionen Euro Ablöse. Anstelle von Lopetegui wird Real-Legende Fernando Hierro die Mannschaft bei der WM betreuen. Der 50-jährige Andalusier war seit 2007 Sportdirektor des Nationalteams, für das er 89 Länderspiele bestritt. Er nahm an vier WM-Endrunden teil. In der Saison 2016/17 trainierte er den Zweitligisten Real Oviedo.

Im Gegensatz zu Rubiales wusste Sergio Ramos wohl Bescheid: Der Kapitän von Real und Spanien soll seinen Segen zu der Verpflichtung von Lopetegui gegeben haben, allerdings konnte er seinen neuen Clubtrainer nicht vor dem Rauswurf retten. Schon bei der Ankunft im spanischen WM-Quartier am Montag in Krasnodar hatte der wütende Verbandschef Lopetegui feuern wollen, auch eine Mini-Meuterei der Spieler um Ramos stimmte ihn nicht um.

„Wir danken Julen für alles, was er getan hat“, sagte Rubiales, der 51-jährige Baske sei einer jener „großartigen Menschen, die uns nach Russland gebracht haben“ – unter Lopetegui blieben die Spanier in den vergangenen 20 Spielen unbesiegt. Und nein, fügte der Verbandschef hinzu, er fühle sich „nicht betrogen“. Nur könne er „nicht ignorieren“, dass die Gespräche über den Wechsel und auch dessen Bekanntgabe am Verband vorbei geführt wurden.

Die Auswirkungen auf die spanische Mannschaft könnten gleich in mehrfacher Hinsicht katastrophal sein. Vor allem dürften die Gräben zwischen den Spielern von Real und des FC Barcelona wieder aufbrechen. Bereits die Nachricht von Lopeteguis Wechsel sei bei der Mannschaft „nicht gut angekommen – außer bei den Spielern von Real“, schrieb die Zeitung „Sport“.

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