Bremen - In erster Linie ist Felix Kroos Fußballprofi. Aber er ist immer auch ein bisschen der kleine Bruder. Damit muss er leben, aber damit kann er gut leben. Werder Bremens Felix gönnt seinem ein Jahr älteren Bruder Toni den Ruhm, den der inzwischen als „Triple“-Sieger mit Bayern München und als Nationalspieler genießt, von Herzen. Noch leichter fällt es ihm sicherlich, seit die eigene Karriere endlich wieder an Fahrt aufgenommen hat. Felix Kroos ist zwar noch kein unumstrittener Stammspieler bei Werder, aber er ist auf einem guten Weg dahin.
Zwar ist Cedric Makiadi wieder fit, doch es wäre keine allzu große Überraschung, wenn Kroos im Bundesligaspiel an diesem Sonnabend (15.30 Uhr, Weserstadion) gegen den SC Freiburg im defensiven Mittelfeld erneut den Vorzug vor dem zuletzt verletzten Makiadi erhält. „Felix beschäftigt sich sehr intensiv mit seinem Beruf, er macht sich ständig Gedanken, was er verbessern kann“, lobte Trainer Robin Dutt unlängst die Einstellung des 22-Jährigen.
Dass Felix Kroos auch in dieser Saison das Werder-Trikot tragen würde, war im Sommer keineswegs sicher. Kroos, der sein Bundesligadebüt bereits im November 2010 gegeben hatte, spielte durchaus mit Wechselgedanken. Der entscheidende Schritt wollte ihm in Bremen nicht gelingen. Dass er sich im Frühjahr 2012 schwere innere Verletzungen zugezogen hatte und an der Milz operiert werden musste, machte die Angelegenheit nicht eben einfacher. Kroos fiel ein halbes Jahr aus und verpasste den Anschluss an Werders Profiteam. Zeitweise spielte er ausschließlich für die U-23-Mannschaft. Und das in der ungewohnten Rolle als Innenverteidiger. Erst zum Schluss der Spielzeit 2012/13 berücksichtigte Thomas Schaaf den Blondschopf wieder in der Bundesliga. Kroos machte seine Sache im Mittelfeld ordentlich. Er ist kein Mann für spektakuläre Aktionen, er ist eher ein Fußballarbeiter. Ausgestattet allerdings mit einer guten Übersicht für die Spielsituation und einem guten Passspiel, das von Partie zu Partie an Sicherheit dazugewann.
Die guten Auftritte waren auch Thomas Eichin nicht entgangen. Und so nahm Werders Geschäftsführer schon bald die Gespräche über eine Vertragsverlängerung auf. Lange brauchte man nicht, um sich einig zu werden. Eichin nannte Kroos einen „guten Jungen, der sich voll mit Werder identifiziert“.
Und Kroos, der bis 2015 verlängerte, war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Für mich war die Perspektive entscheidend. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass ich ein wichtiger Teil des Bundesliga-Teams sein kann.“ Für Dutt ist er das bereits jetzt. Und es deutet einiges darauf hin, dass es so bleibt. Schließlich hatte der große Bruder Toni einst gesagt, dass Felix als Kind eigentlich der Talentiertere der beiden gewesen sei.
