Hamburg - In den Zeiten der größten Krise der Clubgeschichte klammerten sich die Profis des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV an die Hoffnung, es doch noch irgendwie zu schaffen, und wiederholten die seit Wochen bekannten Durchhalteparolen. „Man hat gemerkt, dass wir kompakt stehen können. Jetzt müssen wir an den Offensiv-Aktionen arbeiten“, sagte Torwart René Adler am Sonntag nach der 0:1-Niederlage bei Werder Bremen. Verteidiger Heiko Westermann erklärte, dass man „ein ordentliches Spiel“ gezeigt habe, in dem „der letzte Pass fehlte“.
Tatsächlich hatte der HSV im Nordderby defensiv stabil gestanden, offensiv aber erneut seine Harmlosigkeit unter Beweis gestellt. Der HSV ist seit neun Spielen sieglos, fing sich in dieser Zeit ein Torverhältnis von 2:22 Treffern ein. Seit 586 Minuten ist die harmloseste Offensive der Liga zudem ohne einen eigenen Treffer.
Neu-Trainer Bruno Labbadia ist nun vor allem als Psychologe gefordert. „Das Entscheidende ist, dem Team einen Plan zu geben. Wir müssen es wieder aufrichten“, sagte Labbadia am Montag: Dem 49-Jährigen merkte man jedoch an, dass ihm die Pleite beim Erzrivalen in den Knochen steckte. Labbadia wirkte nachdenklich und frustriert – schaltete vor der Partie gegen den FC Augsburg (Sonnabend, 15.30 Uhr) aber gleich wieder in den Angriffs-Modus. „Die Mannschaft will unbedingt“, erklärte Labbadia vor den Wochen der Wahrheit.
Der Coach, der drei Wochen auf Innenverteidiger Cléber (Kapselriss) verzichten muss, ließ sein Team am Montag nicht auslaufen, sondern richtig trainieren. Immer redete er wild gestikulierend auf die Spieler ein. Besonders im Fokus: Pierre-Michel Lasogga. Der Stürmer soll – nein muss – endlich die Torflaute beenden. „Pierre ist im Kommen. Jetzt brauchen wir für ihn und das gesamte Team den Türöffner“, so Labbadia.
Am Montag wurde bekannt, dass der HSV die Lizenz für die Bundesliga ohne Auflagen erhält. Bei einem Abstieg müssen weitere Sicherheiten nachgewiesen werden. „Für die 2. Liga müssten wir erwartungsgemäß noch Bedingungen erfüllen“, sagte Mediendirektor Jörn Wolf.
Werders Innenverteidiger Jannik Vestergaard fällt indes wegen einer Knieverletzung zwei Wochen aus. Der Däne war von Rafael van der Vaart hart abgegrätscht worden und erlitt kleine Einrisse am Halteapparat der Kniescheibe. Van der Vaart entschuldigte sich später: „Es tut mir sehr leid für Jannik. Es war ein hartes Foul von mir. Ich habe ihn bei der Szene nicht kommen sehen.“
