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NWZonline.de Sport Fußball

Champions-League: Leipzig will nach 30 Jahren wieder glänzen

14.09.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-09-14T08:22:51Z 280 158

Champions-League:
Leipzig will nach 30 Jahren wieder glänzen

Leipzig Europa, wir kommen! Vor fünf Jahren spielte RB Leipzig noch in der Regionalliga gegen Meuselwitz, am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky) feiert der Emporkömmling gegen den AS Monaco seine mit Spannung erwartete Premiere in der Champions League. Seinen unaufhaltsamen Aufstieg will der erst 2009 gegründete Klub auch in der Königsklasse fortsetzen - ein Fußballexperte traut den Bullen sogar den ganz großen Coup zu.

„Leipzig ist für mich der Geheimfavorit auf den Champions-League-Titel!“, schrieb der frühere Bundestrainer Berti Vogts in seiner Kolumne bei t-online.de. Ralph Hasenhüttl nahm die Vorschusslorbeeren gelassen hin. „Es ist schön, dass er uns so viel zutraut, vielleicht auch, weil wir letzte Saison etwas geschafft haben, was unmöglich schien“, sagte der RB-Trainer am Dienstag: „Es wäre schön, wenn wir nur Teile seines Vertrauens bestätigen könnten.“

Doch Vogts ist überzeugt, dass der Vizemeister mit seinem Überfallfußball auch die Königsklasse rocken wird: „Das sind einige große Vereine gar nicht mehr gewohnt. Das ist das Moderne, das ist RB Leipzig. Sie haben tolle Spieler.“

Allen voran Timo Werner, der Vogts „an den jungen Lionel Messi“ erinnert. Der 21 Jahre alte Nationalstürmer dürfte sich mit starken Auftritten in der Champions League noch interessanter für internationale Topklubs machen, schon jetzt soll Titelverteidiger Real Madrid erste Kontakte geknüpft haben. Die spanische Zeitung AS druckte den Angreifer groß auf ihrer Titelseite ab und schrieb: „Real nimmt Werner ins Visier.“

RB reagiert nach außen gelassen auf die Gerüchte. „Wir spielen Champions League, wir bieten Timo damit die nächste Entwicklungsstufe“, sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der Fußball-Talkrunde Sky90. Das gilt auch für alle anderen Spieler, denn nur zwei Kader der Gruppenphase haben weniger Champions-League-Erfahrung als der der Leipziger.

Den Erfolgshunger der Neulinge soll zum Auftakt Monaco zu spüren bekommen. Die Chancen stehen gut, der französische Meister hat durch das Ausleihgeschäft von Sturmjuwel Kylian Mbappé, der kommende Saison endgültig für 180 Millionen Euro zu Paris St. Germain wechselt, und den Abgang anderer Leistungsträger viel Qualität eingebüßt. Die Generalprobe setzte der Vorjahres-Halbfinalist beim 0:4 gegen OGC Nizza in den Sand.

Dabei verletzte sich Thomas Lemar. Der französische Nationalspieler, für den der FC Arsenal im Sommer 100 Millionen Euro geboten hatte, fällt gegen Leipzig aus. Auch deswegen sagt RB-Geschäftsführer Ralf Rangnick: „Wenn wir unsere PS auf den Platz bringen, trauen wir uns zu, so ein Spiel zu gewinnen.“

Vorfreude auf die Hymne

Die Profis können den Anpfiff kaum erwarten. Offensivspieler Emil Forsberg freut sich vor allem „auf die Hymne kurz vor dem Anpfiff, bei der man ja Gänsehaut bekommt“. Der Schwede dürfte nach einer Angina rechtzeitig fit werden. Fehlen wird dagegen voraussichtlich Spielmacher Naby Keita (Adduktorenprobleme), der das Abschlusstraining abbrechen musste.

Mindestens genauso fiebern die Leipziger Fans dem Europapokal-Comeback entgegen. 1988 trotzte Stadtrivale Lok Leipzig dem SSC Neapel mit Diego Maradona ein 1:1 ab, danach verschwand die Messestadt für 29 Jahre von der internationalen Bühne.

Das Champions-League-Fieber hat auch den Leipziger Dichter Jan Lindner gepackt. Er schrieb in der Leipziger Volkszeitung im Gedicht „Wellkamm Schämpiens Lieg“ auf sächsisch zum RB-Debüt: „Dor Großraum Leipzich kricht sich nich mehr ein: Das middor Schämpiens Lieg is echt ä Draum. De Euphorie steht im Fünfmeedorraum, steigt hoch, nimmt Maß und drückt de Pille rein.“