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Aktualisiert vor 30 Minuten.

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Bewohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten

NWZonline.de Sport Fußball

Leipzig zurück auf großer Bühne

13.09.2017

Leipzig Es ist der 26. Oktober 1988, die Luft knistert förmlich vor Anspannung. 80 100 Leipziger Fans drängeln sich ins Zentralstadion. Sie wollen ihre Lok siegen sehen. Sie wollen aber auch Diego Maradona zaubern sehen. Gegen den SSC Neapel erkämpft sich der DDR-Club aus der Messestadt im Zweitrunden-Hinspiel des Uefa-Cups ein 1:1, „auch wenn die neapolitanische Nationalspielergilde drohend wie der Vesuv wirkte“, wie die „Fußball-Woche“ in ihrem Spielbericht schrieb.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnt: Es war für lange Zeit das letzte Europapokalspiel in Leipzig. Erst 29 Jahre später bringt RB Leipzig mit seiner Champions-League-Premiere an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/Sky) gegen AS Monaco den internationalen Fußball zurück in die sächsische Metropole. Aber freut sich darüber auch Regionalligist Lok Leipzig?

„Unsere Fans sind fußballbegeistert, viele werden sich die Spiele zumindest am Fernseher anschauen“, sagt Lok-Präsident Thomas Löwe. Manche werden sich dem aber auch verweigern, die Rivalität zwischen den ungleichen Clubs ist groß. Das 2009 aus dem Boden gestampfte und mit Red-Bull-Millionen hochgezüchtete Projekt RB hat Lok im Eiltempo die Vorherrschaft in der Stadt streitig gemacht. „Wir sind ins zweite Glied gerutscht“, sagt Löwe: „Wir haben es durch RB im Kampf um Sponsoren und Aufmerksamkeit schwerer.“

Bezeichnend dafür ist, dass Lok vor ein paar Tagen in die Schlagzeilen geriet, weil der Verein seinen Spielern der E-Jugend das Einlaufen bei einem RB-Heimspiel verbot. Dass der Club dafür gute Gründe hatte und sich vor der Absage bereits um eine Alternative kümmerte, ging im öffentlichen Aufschrei unter. „Wir wollten mit der Entscheidung keinen Hass schüren, noch nicht einmal eine Diskussion über RB anregen“, sagt Löwe.

Bei aller Rivalität weiß der Lok-Boss, dass das Engagement des Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz auch positive Effekte hat: „Ohne RB wäre das Zentralstadion heute eine Ruine in der Stadt.“ Bevor „RasenBallsport“ vor acht Jahren das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost übernahm, gab es auch Gespräche mit Lok Leipzig über eine Übernahme. Doch die Ablehnung in der Fangemeinde war genauso eindeutig wie beim Lokalrivalen Chemie Leipzig.

Stattdessen kämpfte sich der Traditionsclub, der 1993/94 unter dem Namen VfB Leipzig in der Bundesliga spielte, nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg in die elfte Liga ohne Großsponsor wieder nach oben. Vom Profifußball ist Lok aber noch ein Stück entfernt, vom Europacup ganz zu schweigen.

Ob einige Anhänger ihr damaliges Votum gegen den Red-Bull-Einstieg bereuen? Jetzt, da für RB Leipzig das Flutlicht angeht und die Champions-League-Hymne ertönt? „Bereuen nicht“, sagt Vizepräsident Alexander Voigt, „aber vielleicht kommt bei dem einen oder anderen etwas Wehmut auf.“

Vielleicht auch bei Heiko Scholz. Der später Profi von Werder Bremen und heutige Lok-Trainer war im Hinspiel gegen Neapel der Bewacher von Weltstar Maradona, und beim 0:2 im Rückspiel unterlief ihm ein Eigentor. Scholz: „So kommt man auch in die Geschichtsbücher.“

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