LEIPZIG - Fanforscher Gunter Pilz hat vor dem ersten DFB-Fankongress am Wochenende in Leipzig die Kommunen und Länder zu größeren finanziellen Anstrengungen bei der Gewaltprävention aufgefordert. „Was sich im Umfeld an Gewalt äußert, hat nicht in erster Linie der Fußball zu verantworten, sondern ist überwiegend gesellschaftlich produziert. Insofern ist es sinnvoll, neben den Vereinen auch die Kommunen und Länder in die Pflicht zu nehmen“, sagte der renommierte Sportsoziologe aus Hannover. „Fanprojekte können nur dann entstehen, wenn sich alle drei Geldgeber beteiligen.“ Fanprojekte sieht Pilz als unverzichtbaren Bestandteil eines Maßnahmenpakets gegen Gewalt: „Wer nur auf Repression setzt, wird erst Recht Gewalt ernten.“
Bei den Fans gebe es in der Polizei, den Verbänden und den Medien drei ausgeprägte Feindbilder. Deshalb sei der Fan-Kongress wichtig, weil endlich miteinander geredet werde. Zum zentralen Thema des Kongresses könnte laut Pilz das Thema Stadionverbote werden. Hier hat Theo Zwanziger als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereits angekündigt, dass es in Zukunft möglicherweise Stadionverbote auf Bewährung geben könnte. „Für einen leidenschaftlichen Fan ist ein Stadionverbot mit die härteste Strafe“, sagt Pilz. „Er wird nicht nur von den Spielen seines Vereins entfernt, sondern auch von seiner Clique.“
Über 350 Fan-Beauftragte und Fanprojekt-Mitarbeiter werden am Wochenende erstmals in fünf Foren mit den Spitzen des Verbandes um Präsident Zwanziger und Vertretern der Politik über Themen wie Gewaltprävention, Sicherheit, Stadionverbote oder Rassismus diskutieren.
