LEIPZIG - 20 Jahre nach der Fußball-Einheit ist die Quote der Nationalspieler aus dem Osten rapide gesunken. Dabei hatte Franz Beckenbauer unmittelbar nach dem WM-Titel 1990 getönt, dass man mit dem Spielerpotenzial aus der ehemaligen DDR auf Jahre unschlagbar sein werde.

Zu dieser Zeit wurde Toni Kroos gerade in Greifswald geboren. Der Mittelfeldakteur des FC Bayern war in den vergangenen Partien der einzig verbliebene Nationalspieler aus den neuen Ländern – Michael Ballack und Rene Adler von Bayer Leverkusen fehlten zuletzt aufgrund von Verletzungen. 1993 standen unter Bundestrainer Berti Vogts noch elf Ost-Spieler im 20-köpfigen Aufgebot des DFB.

Wurden gravierende Fehler bei der Zusammenführung der beiden Verbände gemacht? „Es war eine Erfolgsgeschichte“, bilanzierte der DFB-Ehrenpräsident und frühere Präsident des DDR-Verbandes, Hans-Georg Moldenhauer. Die Realität sieht derzeit anders aus: Auf Vereinsbasis findet sich kein einziger Club aus den neuen Bundesländern in der Ersten Liga. „Fußball ist nicht immer darauf zu reduzieren, wo ein Club steht. Wir haben 92 Stützpunkte in den sechs neuen Bundesländern inklusive Berlin, davon 15 sportbetonte Schulen und neun DFB-Eliteschulen, also überproportional zu den West-Vereinen“, hält Moldenhauer dagegen.

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sieht trotz der zurückgegangenen Quote in der DFB-Elf die Entwicklung auch bei den Vereinen positiv. „In Union Berlin, Aue und Cottbus haben wir drei Teams, die stabil und konstant spielen. In Zukunft werden die Vereine vermehrt auf Nachwuchsarbeit setzen, dort eine bessere Breite erreichen und mehr Identifikation erlangen“, sagte der frühere DDR- und DFB-Nationalspieler.

Sammer warnte zugleich davor, „nicht immer alles in Grund und Boden zu reden. Dass Vereine wie Hansa Rostock und Dynamo Dresden in der Dritten Liga spielen, hat 20 Jahre danach nichts mehr mit der Wiedervereinigung zu tun“, betonte Sammer. Vielmehr seien es oft Misswirtschaft und Fehlentscheidungen von Präsidenten wie Hans-Jürgen Otto in Dresden gewesen, die dem Verein eine bessere sportliche Zukunft auf Jahre verbaut hätten.

Moldenhauer gab zu, dass man im Vereins-Fußball derzeit auf dem schlechtesten Stand seit der Wiedervereinigung sei. „Mein Traum wäre eine Art Pyramide, mit zwei bis drei Vereinen in der Bundesliga, drei bis vier Clubs in der Zweiten und sechs Vereinen in der Dritten Liga. Das sind die Leuchttürme. Daran orientieren sich die Menschen, gerade die Jugend“, sagte Moldenhauer.