Bremen/Oldenburg - Ex-Aufsichtsratschef Willi Lemke (68) hat die Vereinsführung des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen nur vier Tage nach seiner Ablösung heftig kritisiert. „Die Reaktion vieler Menschen enttäuscht mich. Es wird offensichtlich ein Bauernopfer gesucht“, sagte Lemke in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Zu möglichen Investoren, die seinen Rücktritt gefordert haben sollen, sagte Lemke: „Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich höre, dass die Millionen Euro von neuen Sponsoren nur so in die Werder-Kasse strömen sollten, wenn der Lemke erst mal weg sei.“
Der langjährige Werder-Manager sieht sich nicht als alleinig Verantwortlicher für die Lage des Vereins, der momentan auf dem letzten Tabellenplatz steht. Die öffentlichen Vorwürfe gingen „völlig an den Tatsachen vorbei“. „Die Fehler wurden in der Vergangenheit von uns allen gemacht“, sagte Lemke, der am vergangenen Sonnabend von Ex-Nationalspieler Marco Bode als Chef des Kontrollgremiums bei den Grün-Weißen abgelöst worden war.
„Wir haben immer dafür plädiert, nicht mehr Geld auszugeben, als wir eingenommen haben. Aber das geht nur in einem begrenzten Rahmen im Fußballgeschäft“, sagte der SPD-Politiker, der sich an der Weser in den vergangenen Jahren als „Sparkommissar“ einen Namen gemacht hatte. Um Erfolg zu haben, müsse ein Verein wie Bremen auch ab und zu Risiken eingehen.
Während außerhalb des Spielfeldes weiterhin Unruhe herrscht, brachte der erste Sieg unter Neu-Trainer Viktor Skripnik zumindest sportlich ein klein wenig Ruhe in den Verein. Beim 2:0-Pokalsieg in Chemnitz zeigte die Bremer Mannschaft gute Ansätze, die der Ukrainer aber nicht überbewerten wollte. „Sieg ist Sieg, nur leider war das kein Bundesligaspiel“, sagte Skripnik zum Erfolg gegen den Drittligisten durch die Tore von Fin Bartels und Franco di Santo.
Gelungen war am Dienstag das Debüt des 20-jährigen Levent Aycicek. Der offensive Mittelfeldspieler wurde von Skripnik in die Startelf geschickt, weil er bereits in der Reserve unter ihm starke Leistungen gezeigt hatte. „Ich habe ihn in der vierten Liga auf der Position gehabt, da war er sehr aktiv. Ich muss ihn jetzt ins kalte Wasser werfen. Er ist ein großes Talent, das muss er jetzt zeigen. Er kann noch viel mehr“, lobte der Trainer seinen Schützling. Gut möglich, dass dieser auch im Auswärtsspiel bei Mainz 05 an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) von Beginn an auflaufen wird.
