LEVERKUSEN - Böses Erwachen für Bayer Leverkusen und Michael Ballack: Nach vier Pflichtspielsiegen versetzte ausgerechnet der bisherige „Lieblingsgegner“ Borussia Mönchengladbach der Werkself den ersten Dämpfer der Fußball-Saison. Die Gäste überraschten die Bayer-Elf mit einem unglaublichen 6:3 (3:1)-Erfolg. In der Vorsaison hatte Bayer erst am 25. Spieltag das erste Mal verloren.

Der erst 19-jährige Patrick Herrmann mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack (20./44.), Roel Brouwers (40.), Juan Arango (56.), Mo Idrissou (60.) und Marco Reus (69.) besorgten die erste Leverkusener Bundesliga-Niederlage mit sechs Gegentoren in der Bay-Arena. Zudem endete damit die lange Negativ-Serie der „Fohlen“ nach 26 sieglosen Spielen gegen Bayer seit 1994.

„Das war eine Lehrstunde für uns“, sagte Leverkusens Abwehrchef Sami Hyypiä. Der 36-Jährige, der seinen Vertrag bis 2012 verlängerte, konnte der Defensive diesmal aber keine Sicherheit verleihen. Immer wieder schlichen sich unerklärliche Fehler in die Deckung der Gastgeber ein.

„Sechs Dinger darf man nicht kassieren. Das ist eine riesige Enttäuschung“, schimpfte Michal Kadlec. „Die ganze Defensive war eine Katastrophe“, beklagte sich Torwart Rene Adler frustriert: „Wenn man sechs Tore kriegt, will man am liebsten das Stadion verlassen.“ Die Bayer-Treffer durch Eren Derdiyok (24.), Arturo Vidal (58./Foulelfmeter) und Stefan Kießling (70.) sorgten schließlich nur für Resultats-Kosmetik.

„Für unsere Verhältnisse war das perfekt nach vorne gespielt. Wir mussten als Gladbacher lange auf einen Auswärtssieg in Leverkusen warten, umso mehr freuen wir uns“, meinte Borussen-Trainer Michael Frontzeck voller Genugtuung. „Wunderschönes Spiel, wunderschöne Tore“, kommentierte Marco Reus den Sieg.

Herrmann eröffnete im 57. Rhein-Derby den Trefferreigen nach 20 Minuten, doch das Kopfball-Tor von Derdiyok ließ die Leverkusener Anhänger schon vier Minuten später jubeln. Dennoch zog keine Ruhe in die Bayer-Aktionen ein. Nach einem Fernschuss von Thorben Marx wurde Adler von der Unsicherheit seiner Vorderleute angesteckt und musste den Ball nach vorn prallen lassen – Brouwers ließ sich die Chance nicht entgehen. Nach dem 3:1 durch Herrmann rieben sich die 2000 Gladbach-Fans unter den 30  210 Besuchern schon verwundert die Augen, doch ihr Team setzte auch in Halbzeit zwei weiter auf voll Angriff und nutzte die Chancen.