LEVERKUSEN - Zwischen dem Hype in Dortmund und der Hysterie in München eilt Leverkusen als stiller Jäger fast unbeachtet von Erfolg zu Erfolg. „Wenn noch etwas passieren soll, müssten wir alle Spiele gewinnen“, sagte Bayer-Cheftrainer Jupp Heynckes nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli, mit dem der Abstand zu Spitzenreiter BVB auf fünf Punkte geschmolzen ist.

Mit fünf Erfolgen in Serie ist die Werkself „Mannschaft der Stunde“ in der Fußball-Bundesliga. Eine Vorentscheidung im Titelkampf dürfte am Sonntag bei Bayern München fallen, wenn Bayer bei Heynckes‘ künftigem Arbeitgeber gastiert.

In der Saison 1986/87 hatte Heynckes seinen Trainer-Weggang von Mönchengladbach zum FC Bayern auch vorzeitig bekanntgegeben und danach alle restlichen zehn Spiele mit den „Fohlen“ gewonnen. „Ich weiß nicht, ob sich das noch einmal wiederholt“, meinte der 65-Jährige, „obwohl meine Mannschaft zu allem fähig ist“. Und als Spieler 1971 hatte er mit der Borussia den Münchnern mit vier Siegen und einem Unentschieden aus den letzten fünf Spielen das Nachsehen gegeben.

Erst am 34. Spieltag werde man sehen, ob die Verfolgung noch erfolgreich sei. „Wir haben noch fünf Partien. Der BVB hat fünf Punkte plus und das bessere Torverhältnis. Er hat alle Trümpfe in der Hand.“

Zum Drunter und Drüber vor dem Süd-West-Gipfel in München – Trainer Louis van Gaal gefeuert, Superstar Arjen Robben ausgeflippt – wollte sich Heynckes nicht äußern. „Wir streben an, in München zu gewinnen“, sagte er nur. Ein Sieg würde beim viermaligen Vizemeister nicht nur die Titelträume wach halten, sondern auch die Rückkehr auf die große Fußball-Bühne fast perfekt machen.

Bayer 04 läuft Bayern den Rang ab und dem BVB vehement hinterher, bleibt aber der Biedermann der Liga. „Wir bedauern es, dass wir als Spielverderber der Liga nicht dazu beigetragen haben, den psychodelischen Taumel woodstockmäßig potenziert zu haben“, konterte Bayer-Chef Wolfgang Holzhäuser eine Satire im Fußball-Magazin „11 Freunde“ über das patentierte „Vizekusen“.

Sollte Leverkusen wirklich Meister werden, kündigte er „die beste Party“ an, die man mit Spaßverderbern jemals gefeiert habe.