LIEPAJA - Flankengott, kongenialer Partner von Klaus Fischer und nun auch Meistertrainer: In nur 14 Monaten hat der einstige Weltklasse-Stürmer Rüdiger Abramczik den lettischen Fußball-Erstligisten Metalurg Liepaja zum zweiten Meistertitel der Clubgeschichte geführt. „Damit haben wir eigentlich gar nicht gerechnet. Wir mussten nach der vergangenen Saison fünf Stammspieler verkaufen“, sagte der 53-Jährige.
Auf Empfehlung des damaligen Schalke-Präsidenten Gerd Rehberg heuerte Rüdiger Abramczik, Spitzname „Abi“, Anfang August in Liepaja an, das circa 250 Kilometer westlich der lettischen Hauptstadt Riga liegt. „Es ist wunderschön hier“, berichtet der Trainer über die drittgrößte Stadt in dem Baltenstaat. Vor etwa einem Jahr hatte der ehemalige Bundesliga-Profi von Schalke, Dortmund und Nürnberg in der Schlussphase der Meisterschaft Liepaja noch vom fünften auf den zweiten Tabellenrang geführt.
Deswegen ist es nun nach dem Meisterschaftsgewinn keine Frage, dass man mit Rüdiger Abramczik den am Jahresende auslaufenden Vertrag verlängern möchte. „Ich habe ein gutes Verhältnis zum Präsidenten. Wir werden uns nach der Saison zusammensetzen“, erklärt der Coach und erwartet eine Entscheidung im November.
Aber der 19-malige Nationalspieler, der in Gelsenkirchen unter anderem ein Sportgeschäft betreibt, macht auch keinen Hehl daraus, dass er durchaus an einem Engagement in Deutschland interessiert ist. „Natürlich hat man auch mal mit einem Auge nach Bochum oder Cottbus geschaut. Aber ich freue mich für Heiko Herrlich und wünsche ihm, dass Bochum da unten rauskommt“, erzählt Abramczik, der Anfragen aus der Zweiten Liga und auch aus dem Ausland hat.
Liepaja ist für ihn die siebte Trainerstation, die Engagements bei den großen Club fehlen aber in seiner Vita. „Man darf ja Träume haben: Schalke ist vergeben, aber Dortmund oder Galatasaray wären tolle Vereine.“ Die Türkei bezeichnet Rüdiger Abramczik als seine „zweite Heimat“. Mit Galatasaray holte er 1985 den türkischen Pokal. Das war nach seinen großen Bundesliga-Zeiten.
Flanke Abramczik, Tor Fischer – davon schwärmen die Nostalgiker heute noch. „Ich sehe den Klaus eigentlich regelmäßig. Er macht in Bayern seine Fußball-Schulen, und das sehr gut“, erzählt „Abi“ über den zweitbesten Bundesliga-Torjäger aller Zeiten, mit dem er auch sein Hobby Golf (Handicap 12) pflegt.
Die zahlreichen Kontakte zu Schalke pflegt Abramczik selbstverständlich, auch die in Bochum. „Damals sind wir nach den Spielen mit Schalke immer in Bochum ausgegangen“, sagt er. Der bisherige sportliche Erfolg der Königsblauen in dieser Saison überrascht ihn nicht, denn „Felix ist ein guter Trainer und vor allem ein guter Pädagoge. Deswegen ärgere ich mich auch ein wenig, dass er in der Öffentlichkeit immer noch auf den harten Hund reduziert wird.“
