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NWZonline.de Sport Fußball

Mit Minimalismus und Mentalität

14.06.2019

Lille /Montpellier Matchwinnerin Sara Däbritz scherzte mit den jungen Wilden, beim Einladen der Koffer in den Bus zum Flughafen Lille wurde überhaupt viel gelacht. Sichtlich gelöst und erleichtert machten sich die deutschen Fußballerinnen auf zur dritten WM-Etappe nach Montpellier. Und mit dem Gruppensieg vor Augen soll bei „Sommer, Sonne, Sonnenschein“ am Mittelmeer auch Schluss sein mit Minimalisten-Fußball.

„Wir können mit Mut, Selbstvertrauen und einer gewissen Lockerheit ins dritte Gruppenspiel gehen, und dann können wir auch das gewinnen“, sagte Siegtorschützin Däbritz nach dem glücklichen 1:0 (1:0) gegen Spanien, das 6,15 Millionen Zuschauer im TV im ZDF verfolgten. Mittelfeldspielerin Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg ergänzte: „Natürlich können wir befreiter sein, aber in den nächsten Spielen müssen wir uns mehr Selbstbewusstsein holen.“

Dann klappt es dank sechs Punkten auf der Habenseite am Montag (18 Uhr/ARD) gegen Südafrika auch mit dem Sieg in Gruppe B, und das Horrorszenario vom Achtelfinal-Duell mit dem Topfavoriten USA ist vom Tisch. Entsprechend optimistisch stieg der DFB-Tross in den Charterflieger nach Südfrankreich, wo nach einem 90-minütigen Flug das neue Quartier im Hotel Crowne Plaza inmitten der Stadt bezogen wurde.

„Jetzt haben wir es selbst in den Füßen, wir können durchatmen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, deren Auswahl ja schon mit einem 1:0 (0:0) gegen China ins Turnier gestartet war: „All diese Erfahrungswerte werden uns helfen, die Spielerinnen einen Schritt weiter zu bringen und in der K.o.-Phase einen Schritt stabiler zu sein.“

Die Spielerinnen wissen, dass weitere schwache Auftritte früher oder später bestraft werden. „Wir müssen jetzt schnell reinfinden, weil wir in der K.o.-Phase auf jeden Fall besser performen müssen“, mahnte Melanie Leupolz. Auf die Binsenweisheit „Wer jedes Spiel 1:0 gewinnt, wird auch Weltmeister“ möchte man sich im Lager des zweimaligen Titelträgers gewiss nicht verlassen.

Die spanische Presse fasste den Duselsieg des Olympiasiegers in Valenciennes treffend zusammen. „Spanien hat gespielt, Deutschland getötet“ („AS“) und „Jungs oder Mädels, es ist egal: Im Fußball gewinnt immer Deutschland“ („Marca“) titelten die Sport-Blätter. Die französische „L’Equipe“ ernannte die DFB-Auswahl hingegen zu „Anti-Favoritinnen“.

Gegen die ballsicheren, aber abschlussschwachen Spanierinnen wurde Spielmacherin Dzsenifer Marozsan schmerzlich vermisst. „Weil sie in schwierigen Moment eine Hilfe ist, weil sie die Bälle fordert, weil sie eben wenig Bälle verliert“, erklärte Voss-Tecklenburg. Wegen einer Fraktur der linken Mittelzehe sind weitere WM-Einsätze der 27-Jährigen von Olympique Lyon ungewiss. So musste vor 20 761 Zuschauern eine kuriose Tor-Grätsche von Däbritz (42.) zum Sieg des Willens reichen.

Spaß machten indes erneut die Jüngsten. Lena Oberdorf (17) überzeugte durch ihre Präsenz, Giulia Gwinn (19) setzte immer wieder Akzente, und die eingewechselte Klara Bühl (18) machte beim WM-Debüt ordentlich Dampf. So trug das U-20-Trio mit seiner Unbekümmertheit seinen Teil dazu bei, dass die DFB-Frauen seit 18 WM-Gruppenspielen (14 Siege, 4 Remis) ungeschlagen sind.

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