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NWZonline.de Sport Fußball

Lange Suche nach Gerechtigkeit

13.04.2019

Liverpool 96 Glockenschläge, einer für jedes Opfer: Am Montag, um 15.06 Uhr, steht das Leben in Liverpool wieder für eine Minute still. Einzig das Läuten aus dem Rathaus wird 30 Jahre nach der größten Stadionkatastrophe im englischen Fußball zu hören sein. Jener 15. April 1989, an dem 96 Liverpool-Fans im Hillsborough-Stadion von Sheffield zerquetscht und totgetrampelt wurden, lässt die Stadt noch immer nicht los.

Wie auch? Noch immer kämpfen die Reds-Anhänger um Gerechtigkeit, jeden Tag, bis heute. Erst vor zwei Wochen warteten 60 Fans vor einem Strafgericht in Preston und jubelten, als der einstige Sicherheitsbeauftragte von Sheffield Wednesday für schuldig befunden wurde, das Strafmaß steht noch aus. Und sie schimpften, als ein Urteil gegen Einsatzleiter David Duckenfield ausblieb.

Was an jenem sonnigen Samstag vor 30 Jahren geschah, macht noch immer fassungslos. Ein Millionen-Publikum sah live zu, wie in der 6. Minute des FA-Cup-Halbfinals zwischen Liverpool und Nottingham Forest plötzlich ein Polizist auf den Rasen lief und den Schiedsrichter bat, die Begegnung zu unterbrechen. Danach schwenkte die Kamera auf die Hintertortribüne, das Leppings Lane End, und fing verstörende Bilder von Fans ein, die in einem völlig überfüllten Block gegen den Zaun gequetscht wurden.

Liverpools legendärer Torhüter Bruce Grobbelaar stand vor dem Todes-Block und hörte die Rufe der verzweifelten, meist sehr jungen Menschen: „Bitte Bruce, versuch uns zu helfen!“ Die flehenden Worte hat der Südafrikaner nie vergessen. Und auch nicht die Antwort einer Polizistin, die am Spielfeldrand sagte: „Ich kann nichts tun.“ Am Ende des Tages waren 95 Menschen tot, das 96. Opfer starb vier Jahre später, ohne das Bewusstsein erlangt zu haben.

Opfer Nummer 97, so sagen viele Reds-Fans, war die Wahrheit. Liverpools Anhänger hatten vier Jahre nach der Heysel-Katastrophe einen miserablen Ruf, und so glaubten viele Leser nur zu gern den Bericht der „Sun“ unter der Überschrift „Die Wahrheit“. Das bis heute in Liverpool verhasste Blatt schrieb, Fans hätten Opfer ausgeraubt, auf „tapfere Polizisten uriniert“ und Helfer verprügelt.

Die echte Wahrheit konnte weiter kaum entfernt sein. Denn es waren vor allem Fans, die auf dem Rasen erste Hilfe leisteten und ihre Freunde auf Werbetafeln vom Feld trugen. Dass vielmehr die Polizei einen fatalen Fehler begangen hatte, als sie acht Minuten vor Anpfiff ein Tor öffnete, weil auch vor dem Stadion wartende Zuschauer gegen einen Zaun gedrückt wurden, interessierte zumindest die Justiz jahrelang nicht.

Vor allem die Angehörigen kämpfen seither um Gerechtigkeit. Mit Erfolg: Im September 2012 stellten Experten fest, dass 41 der 96 Toten hätten gerettet werden können. Der damalige Premierminister David Cameron entschuldigte sich „im Namen des ganzen Landes“. Seither beschäftigen sich die Gerichte mit der Rolle der Polizei. Im Fokus steht Einsatzleiter Duckenfield. Ob er jemals belangt wird, ist seit der Entscheidung in Preston vor zwei Wochen allerdings fraglich.

Eine öffentliche Gedenkveranstaltung wie vor zehn Jahren wird es am Montag nicht geben, Liverpool öffnet von 13 bis 16 Uhr seine legendäre Tribüne „The Kop“. An dem Denkmal an den Shankly-Gates werden dann wieder unzählige Blumen liegen, am Zaun Schals hängen. Denn die größte Katastrophe des englischen Fußballs lässt die Fans auch nach 30 Jahren nicht los.

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