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NWZonline.de Sport Fußball

Premier League: Strauchelt Fußball über Brexit?

07.11.2018

London Rund fünf Monate vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens herrscht Unruhe im englischen Fußball – und Unklarheit, wie es nach dem 29. März 2019 weitergeht. „Nach zweieinhalb Jahren weiß ich immer noch nicht, ob es gut oder schlecht wird“, sagte Trainer Mauricio Pochettino vom Londoner Fußballclub Tottenham Hotspur.

Die Folgen für die Premier League sind schwer abzusehen. Aber Pochettino und andere Verantwortliche befürchten, dass es nach dem Brexit schwieriger wird, Spieler aus dem Ausland zu verpflichten – vor allem, wenn sich Großbritannien und die EU nicht auf ein Abkommen einigen. Damit könnte auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr geraten.

Derzeit kann jeder Fußballer aus einem EU-Land uneingeschränkt für jeden Premier-League-Club spielen. Für die Verpflichtung von Spielern, die aus Ländern außerhalb der Europäischen Union stammen, gelten hingegen strenge Auflagen. Für eine Arbeitserlaubnis braucht der Spieler die Zustimmung des nationalen Fußballverbands FA. Voraussetzung für diese Arbeitserlaubnis ist, dass der Profi – vereinfacht gesagt – ein etablierter Nationalspieler ist. Die FA orientiert sich bezüglich der Einsatzzeiten an der Fifa-Rangliste der Nationalteams. Von einem Profi Venezuelas, das Platz 29 belegt, werden danach mehr Einsätze verlangt als von einem Spieler Brasiliens, das derzeit Dritter der Fifa-Weltrangliste ist.

Dieselben Regeln könnten in Zukunft für alle nicht-britischen Profis gelten – sehr zum Missfallen der Liga. Schon 2017 forderten die Clubbesitzer der Premier League die britische Regierung auf, den Fußballwettbewerb vor drohendem Schaden zu bewahren. „Es muss eine vernünftige Basis geben, auf der Weltklasse-Spieler in die Premier League kommen, aber nicht Legionäre, die junge englische Talente verdrängen“, sagte FA-Präsident Greg Clarke. Er hofft, dass das englische Nationalteam profitiert, wenn weniger mittelmäßige Spieler nach England kommen.

Finanziell schwächere Vereine wie Huddersfield Town mit dem deutschen Trainer David Wagner müssten sich umstellen. Den „Terriers“ war 2017 mit mehreren früheren deutschen Zweitliga-Profis der Aufstieg und im ersten Jahr Premier League der Klassenerhalt gelungen. Dass Leistungsträger wie Christopher Schindler oder Chris Löwe nach den in Zukunft drohenden Regelungen eine Arbeitserlaubnis bekommen hätten, darf bezweifelt werden. Dasselbe gilt für einige Spieler, die 2016 mit Leicester City die Meisterschaft feierten, wie der heutige französische Weltmeister N’Golo Kanté vom FC Chelsea.

„Das Ende der Bewegungsfreiheit macht es sehr viel schwieriger, talentierte Spieler zu holen“, fürchtet Mike Garlick, Präsident des FC Burnley: „Es droht, die wachsende Ungleichheit in unserer höchsten Spielklasse noch zu verschlimmern.“ Laut Garlick sei es aufgrund der Verluste des britischen Pfunds gegenüber dem Euro schon jetzt schwieriger geworden, gute Spieler zu verpflichten.

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