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NWZonline.de Sport Fußball

Der große "fucking german" aus Schortens

03.09.2016
Frage: Herr Polter, englische Fans texten gern Lieder über ihre Fußballstars. Gibt es bei den Anhängern der Queens Park Rangers schon einen Polter-Song?
Sebastian Polter (25): Ja, so etwas Ähnliches. Es gibt einen Song, in dem aber das f-Wort vorkommt. Darf ich es aussprechen?
Frage: Nur zu.
Polter: In dem Song heißt es in einer Zeile „the big fucking German“. Und damit bin ich gemeint. Das klingt nicht besonders nett, ist von den Fans aber als Kompliment gemeint.
Frage: Offenbar sind Sie nach Ihrem Wechsel im Sommer 2015 inzwischen voll anerkannt und beliebt. Wie lief Ihr erstes Jahr?
Sebastian Polter bejubelt ein Tor für die Queens Park Rangers. Der Stürmer spielt seit einem Jahr in London. BILD: Imago

Gebürtiger Wilhelmshavener wurde in Wolfsburg Profi

Sebastian Polter wurde 1991 in Wilhelmshaven geboren und zog als kleines Kind nach Schortens (Kreis Friesland). Dort spielte er beim Heidmühler FC (Polter: „mein Heimatverein“), ehe er über die Stationen SV Wilhelmshaven (2x), Werder Bremen und Eintracht Braunschweig beim VfL Wolfsburg landete. Dort gelang ihm der Sprung in die Bundesliga. Weitere Stationen als Profi waren der 1. FC Nürnberg, Mainz 05 und Union Berlin.

2015 wechselte der 1,90 Meter große Stürmer zu den Queens Park Rangers. Beim Club aus London, der im selben Jahr aus der Premier League in die 2. Liga abgestiegen war, unterschrieb er einen Vertrag bis 2018.

Polter: Viele ausländische Profis in England sagen, man brauche das erste Jahr, um sich an das Land und die Liga zu gewöhnen. Das war bei mir auch so, die ersten Monate waren sehr schwierig. Es lief in der Mannschaft nicht richtig, nach ein paar Monaten wurde der Trainer gewechselt. Dazu kam die hohe Belastung. Die 2. Liga hat 24 Mannschaften, also gibt es 46 Punktspiele. Hinzu kommen die Spiele im Ligapokal und im FA-Cup. Man hat also kaum Zeit zum Trainieren. Die Zeit, in der man nicht spielt, muss man überwiegend zur Regeneration nutzen.
Frage: Genau wie in der Premier League spielen auch in der 2. Liga Fußballer aus allen möglichen Ländern. Wird dort trotzdem noch typisch britisch gespielt?
Polter: Oh ja. Wir haben bei uns in der Mannschaft einige Spieler, die schon in der Premier League aktiv waren. Und die sagen alle, dass in der 2. Liga viel härter und britischer gespielt wird. Wenn ich auf meine bisherigen Stationen zurückschaue, ist das hier das Härteste, was ich bisher erlebt habe. Aber es macht auch unheimlich viel Spaß.
Frage: Sie sind ein athletischer und großer Stürmer. Ihnen muss dieses Spiel doch liegen...
Polter: Unsere Spielweise liegt mir. Unser Trainer Jimmy Floyd Hasselbaink lässt im Gegensatz zu vielen anderen Teams, die ein 4-4-2-System pflegen, meist ein 4-2-3-1-System spielen. Darin bin ich die Sturmspitze. Unsere Taktik ist nicht darauf ausgerichtet, einfach nur lange Bälle nach vorn zu schlagen. Wir spielen stattdessen einen Ballbesitz-Fußball. Hinter mir spielt der Niederländer Tjaronn Chery auf der Zehner-Position. Er und ich sprechen die gleiche Fußballsprache, wir harmonieren hervorragend.
Frage: Die Rangers sind gut gestartet und liegen nach fünf Spielen auf Rang fünf. Sie haben schon zweimal getroffen und zwei weitere Tore vorbereitet. Wo landet Ihr Club am Saisonende?
Polter: Das ist schwierig zu sagen. Natürlich wäre es schön, wenn es mit dem Aufstieg in die Premier League klappen würde. Zuerst einmal wollen wir aber besser sein als im vergangenen Jahr, als wir uns insgesamt nicht so präsentiert haben, wie wir uns das vorgestellt haben und Zwölfter wurden. Bis zu einem möglichen Aufstieg ist es aber ein ganz, ganz hartes Stück Arbeit. Es sind erst fünf von 46 Spieltagen absolviert. Aber natürlich bin ich auch nach England gewechselt, um irgendwann einmal in der Premier League zu spielen. Das ist ein Fußballertraum, den ich schon lange habe.
Frage: Die Queens Park Rangers sind ein Londoner Club. Schafft die Stadt es, Sie vom Fußball abzulenken?
Polter: Natürlich bietet London alles Mögliche. Aber bei der Vielzahl von Spielen, die wir haben, sind Ruhepausen sehr wichtig. Das musste ich auch erst lernen. Es bringt nichts, am freien Tag ganz wilde Dinge zu veranstalten. Entspannung ist wichtig.
Frage: Auf dem internationalen Transfermarkt zahlen englische Vereine inzwischen irrsinnig hohe Ablösesummen. Wie wird dieses Thema bei Ihnen diskutiert?
Polter: Das ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich finde auch, dass da etwas außer Kontrolle geraten ist. Vielleicht hat sich der Trend durch die Aktivitäten der chinesischen Clubs in diesem Jahr noch verstärkt. Auch beim Blick auf die Gehälter denke ich manchmal, dass das alles nicht mehr vergleichbar ist. Ich sehe, dass mein Vater acht oder neun Stunden am Tag arbeitet und dafür ein normales Gehalt bekommt. Fußballprofis bekommen ein Vielfaches davon. Auf der anderen Seite bin ich natürlich froh, gutes Geld zu verdienen. Das will ich gar nicht bestreiten und weiß das zu schätzen.
Frage: Während der EM haben Sie mit Ihrem nordirischen Teamkollegen Conor Washington gewettet, dass er im Gruppenspiel gegen Deutschland kein Tor schießen würde. Deutschland gewann mit 1:0. Was haben Sie bekommen?
Polter: (lacht) Wetteinsatz war, dass der Verlierer dem Sieger eine Woche lang die Schuhe putzen muss. Das hat Conor noch immer nicht getan. Ich werde das demnächst einfordern.
Hauke Richters
Leitung
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2030

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