LüTTICH - Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto und Mladen Petric standen Schlange: So viele Gratulanten waren nach einem vom Ergebnis unbedeutenden Tor noch nie auf Paolo Guerrero zugestürmt. „Es war sehr schön und hat gezeigt, dass die Mannschaft zu mir gehalten hat. Ich wusste, dass sie mir vertrauen“, sagte der „Kleine Krieger“, wie Guerrero übersetzt in seiner Landessprache heißt, über seinen Treffer in der Nachspielzeit zum 3:1-Sieg im Viertelfinal-Rückspiel des Hamburger SV in der Europa League bei Standard Lüttich. Zuvor hatte Malden Petric (19., 35. Minute) zweimal getroffen, das 1:1 erzielte Igor de Camargo (32.).

Nach sieben Monaten Verletzungspause (Kreuzbandriss), Flugangst und dem Flaschenwurf-Skandal gelang dem in der Bundesliga gesperrten Peruaner nach seiner Einwechslung der persönliche Befreiungsschuss. Das Tor gibt ihm Kraft für den Kampf gegen die Fünf-Spiele-Sperre.

Der 26-Jährige will nun beim DFB-Sportgericht alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Strafe abzumildern. „Ich werde kämpfen und zur mündlichen Verhandlung nach Frankfurt fahren. Es wäre sehr schön, wenn ich in der Spielzeit noch in der Bundesliga spielen könnte.“ Dabei erhält er Unterstützung von seinem Club. „Das Strafmaß ist nicht angemessen“, sagte Vereins-Vorstand Bernd Hoffmann am Freitag.

Mit dem Erreichen des Halbfinales in der Europa League kann er sich wenigstens noch auf zwei Spiele gegen den FC Fulham konzentrieren. Der englische Premier-League-Club machte mit dem 1:0 beim VfL Wolfsburg ein deutsch-deutsches Halbfinale zunichte. Bobby Zamora hatte schon nach 23 Sekunden getroffen. Guerreros Ziel ist aber das Finale am 12. Mai im eigenen Stadion.

Ob es für ihn danach beim HSV weitergeht, soll in Vertragsgesprächen nach Saisonende abgeklopft werden. Bisher schockte er Vereinschef Bernd Hoffmann mit einer Gehaltsforderung von vier Millionen Euro. „Über Summen werde ich nicht sprechen. Aber Geld ist nicht alles im Leben“, sagte Guerrero.

Derweil hat Wolfsburgs Trainer Lorenz-Günther Köstner die Schuld für das Aus auf seine Kappe genommen. „Ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft mit dem richtigen Biss auf den Platz zu schicken“, übte er Selbstkritik.