Lyon - Lineth Beerensteyn schüttelte immer wieder den Kopf und verdrehte ungläubig die Augen. „Das ist immer noch krass. Wir stehen einfach im Finale. Mein Gott. Jesus!“ Die 22-jährige Angreiferin vom Bundesligisten Bayern München war auch lange nach dem 1:0-Halbfinalsieg der Niederlande gegen Schweden fassungslos, dass der Traum vom WM-Finale Realität geworden war. Zu verdanken haben die Europameisterinnen von 2017 das kleine Fußball-Wunder Jackie Groenen, die bis vor wenigen Tagen beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag stand und sich zur anstehenden Saison dem englischen Spitzenclub Manchester United anschließt.

Nach eher mäßiger torloser Regel-Spielzeit nahm die 24-jährige Mittelfeldspielerin in der 99. Minute ihren ganzen Mut zusammen und schoss ihr Team mit einem strammen 20-Meter-Flachschuss ins WM-Finale. An diesem Sonntag (17 Uhr/ARD) fordern die Oranjeleeuwinnen Titelverteidiger und Rekord-Weltmeister USA heraus.

„Ich habe kurz ein Loch gesehen und mich daran erinnert, dass die Mädels mir immer sagen, ich soll öfter schießen. Und dann habe ich den Schuss genommen“, erklärte Groenen in fließendem Deutsch ihren Glücksmoment im Stade de Lyon.

Dabei hätte Groenen beinahe eine Karriere als Judoka gemacht. Bei der U-17-EM 2010 im tschechischen Teplice holte Groenen sogar Bronze in der Klasse bis 40 Kilogramm. Im Februar 2011 wurde sie in der Klasse bis 44 kg niederländische U-20-Meisterin. Kurz zuvor hatte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Merel beim Fußball-Bundesligisten SGS Essen angeheuert.

Ihr halbes Fußballerinnen-Leben verbrachte Groenen in Deutschland, in Essen sowie beim Bundesliga-Rivalen FCR Duisburg (später MSV Duisburg). Nach einem Intermezzo beim FC Chelsea in London landete sie im Sommer 2015 beim 1. FFC Frankfurt.

Zudem studierte sie an der Universität Tilburg Jura. Sogar ein Kinderbuch über ihre fußballerischen Anfänge hat sie geschrieben. Vor Jahren beantragte sie die belgische Staatsangehörigkeit, um für das Nachbarland zu spielen, verwarf den Plan aber wieder. Zur Freude aller niederländischen Frauenfußball-Fans.