MADRID - Man mag ihn oder man mag ihn nicht: José Mourinho, Trainer des spanischen Rekordmeisters Real Madrid, spaltet die Fußball-Welt. Der exzentrische Portugiese gilt als unberechenbar. Mal ist er witzig, gut aufgelegt und zu jedem Scherz bereit. Dann wieder ernst, schlecht gelaunt und humorlos.

Welches Gesicht der 49-Jährige an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/Sat 1) im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Bayern München zeigt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Nach der 1:2-Niederlage am vergangenen Dienstag in München muss ein Sieg her, damit es nicht zum Aus und zu einem der legendären Wutausbrüche Mourinhos kommt.

Sein Ziel ist der Gewinn seines dritten Champions-League-Titels. Zuvor holte sich Mourinho mit dem FC Porto und Inter Mailand die begehrte 62 Zentimeter hohe Henkel-Trophäe. Er ist neben Ottmar Hitzfeld und Ernst Happel erst der dritte Trainer, der die europäische Königsklasse mit zwei verschiedenen Clubs gewinnen konnte.

Insgesamt holte er 18 Titel in vier verschiedenen Ligen. 150 Ligaheimspiele in Serie blieb er zwischen dem 23. Februar 2002 und dem 2. April 2011 ohne Niederlage (38 mit dem FC Porto, 60 mit dem FC Chelsea, 38 mit Inter Mailand und 14 mit Real Madrid). Nun also kommt Bayern München.

Als geschlossene Einheit und „voll mit Adrenalin“ wollen die Bayern in der Festung Bernabéu bestehen. „Für diese Spiele lieben wir alle den Fußball“, erklärte Torjäger Mario Gomez am Montag: „Wenn wir so eine Leistung wie im Hinspiel bringen, werden wir ins Finale einziehen.“

Es ist die letzte „ganz große Herausforderung“ bei der Mission Heim-Finale, sagte Trainer Jupp Heynckes. „Es hat in der Champions League noch keine Mannschaft geschafft, im eigenen Stadion im Finale dabei zu sein. Wir werden nach Madrid gehen, um diesen Traum wahr werden zu lassen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor der Abreise nach Spanien an diesem Dienstag an: „Wir müssen hochkonzentriert zu Werke gehen und mit Demut ins Bernabéu-Stadion, das ein Monument im internationalen Fußball darstellt.“

Man werde nicht mauern, sondern offensiv spielen, versicherten alle Münchner. „Wir werden angreifen, genauso wie es Real tun wird“, sagte Gomez. Er versprach ein „schönes, interessantes, packendes Spiel für die Zuschauer“. 80 000 werden das Stadion in Madrid füllen.

Heynckes erwartet von seinem Team Einsatz bis an die Grenzen. „Für meine Mannschaft ist es ganz wichtig, dass wir unser gesamtes Potenzial abrufen. Wir müssen 100 beziehungsweise 110 Prozent abliefern. Die letzten zehn Prozent sind Emotionen. Dann haben wir eine große Chance, ins Endspiel einzuziehen“, sagte der Trainer des deutschen Rekordmeisters.

Personell sieht Heynckes seine Elf sehr gut gerüstet. „Am Sonntag haben wir überragend, heute sehr gut trainiert. Alle Spieler stehen zur Verfügung und sind motiviert, konzentriert und fokussiert auf Mittwoch“, versicherte der Bayern-Trainer.

Während Reals Mesut Özil ankündigte, „wie gegen Barça“ weitermachen zu wollen, sieht Philipp Lahm die Madrilenen nach dem bemerkenswerten 2:1 beim FC Barcelona nicht in der besseren Position. „Das sind zwei verschiedene Wettbewerbe“, betonte der Außenverteidiger, der mit Hilfe seiner Teamkollegen wieder Angriffsmaschine Cristiano Ronaldo stoppen will. „Wir müssen alle zusammenarbeiten“, betonte der Kapitän.

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)