Mailand - Der Gala-Abend in Mailand war für Jürgen Klopp schnell vorbei. Begleitet von Fifa-Mitarbeitern hastete der 52-Jährige nach seiner Auszeichnung als Welttrainer des Jahres zur Limousine. Die Zeit für einen Plausch mit Rekord-Weltfußballer Lionel Messi oder einen Austausch mit Weltfußballerin Megan Rapinoe, die ihr Rampenlicht in der altehrwürdigen Scala auf beeindruckende Art und Weise genutzt hatte, schien dem deutschen Coach des FC Liverpool nicht zu bleiben. An diesem Mittwoch geht in England der Alltag im Ligapokal bei den MK Dons weiter.
Individuelle Auszeichnungen sind dem früheren Bundesliga-Coach ohnehin ein bisschen fremd. „Zu 100 Prozent verstehe ich diese Preise nicht, aber ich verstehe, dass ich für eine Menge Menschen hier bin“, sagte Klopp am Ende seiner kurzweiligen Dankesrede, in der er zudem verkündete, künftig im Rahmen des Common-Goal-Programms ein Prozent seines (sicherlich millionenschweren) Gehalts für wohltätige Zwecke zu spenden.
„Wir sind alle ganz offensichtlich auf der wirklich guten Seite des Lebens – deshalb sind wir hier“ sagte der Trainer, der mit dem FC Liverpool in diesem Jahr die Champions League gewonnen hatte. „Die Gegenwart ist wirklich gut und hoffentlich wird es auch in Zukunft so sein. Aber es gibt Menschen, die nicht in dieser Situation sind.“
Rapinoe nutzte ihre Auszeichnung als Weltfußballerin später für deutlich eindringlichere Worte. „Wir haben die einzigartige Möglichkeit im Fußball, anders als in jedem anderen Sport, dieses wundervolle Spiel zu nutzen, um die Welt zum Besseren zu verändern“, sagte die US-Weltmeisterin in Richtung der Dutzenden Weltstars im Publikum und erinnerte an die gravierenden Probleme mit Rassismus und Homophobie: „Das ist meine Aufgabe für euch. Ich hoffe, ihr nehmt sie euch zu Herzen und tut etwas. Wir haben unglaubliche Kraft in diesem Raum.“
Der mit dem größten Einfluss war noch vor und nicht als Höhepunkt des Abends nach Rapinoe geehrt worden, womit die Fifa sicher auch ein Statement für den Frauenfußball hatte setzen wollen. Messi nahm von Fifa-Präsident Gianni Infantino seine sechste Weltfußballer-Trophäe entgegen. Später schritt der argentinische Superstar vom FC Barcelona, der seinen in Mailand gar nicht anwesenden Dauerrivalen Cristiano Ronaldo übertrumpft hatte, zufrieden mit einem seiner Söhne auf dem Arm zur Limousine.
Als Welttrainerin des Jahres wurde Jill Ellis geehrt, die im Sommer mit den USA zum zweiten Mal Weltmeister geworden war. Nationaltorwart Marc-Andre ter Stegen, der bei der Wahl des Welttorhüters zu den drei Finalisten gehört hatte, ging dagegen leer aus. Der 27-Jährige vom spanischen Meister FC Barcelona musste dem Brasilianer Alisson (FC Liverpool) den Vortritt lassen.
Abstimmungsberechtigt waren vom 31. Juli bis zum 19. August die Kapitäne sowie die Trainer aller Nationalmannschaften in der Fifa, die Fans weltweit per Internet-Abstimmung sowie mehr als 200 Medienvertreter. Das Votum dieser vier Gruppen trug zu je 25 Prozent zum Endergebnis bei.
