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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Rangnick verliert Machtkampf bei AC Mailand

23.07.2020

Mailand Als der mächtige Milan-Boss Ivan Gazidis seinen Trainer Stefano Pioli mit einem Lächeln in der Morgensonne umarmte, war der Traum von Ralf Rangnick längst geplatzt. Der 62-jährige Fußball-Vordenker hatte am späten Dienstagabend zuvor verkünden lassen, nach monatelangen Verhandlungen doch Abstand von einem Engagement beim AC Mailand genommen zu haben. Durch die Vertragsverlängerung mit Pioli wäre für Rangnick nur der Posten des Sportdirektors geblieben. Zu wenig für dessen ehrgeizige Pläne.

Zwar bemühte sich die Rangnick-Seite, die verpasste Chance auf den Job bei den Rossoneri kleinzureden. Man sprach vom falschen Zeitpunkt und einem nicht vorhandenen Momentum, was angesichts der aktuellen Milan-Erfolgsserie in Teilen stimmig ist. Doch letztlich muss sich Rangnick wohl eingestehen, dass er einen Machtkampf verloren hat, bevor er überhaupt da war. Den Kampf gegen das alte Milan, gegen Paolo Maldini, Fabio Capello oder Zlatan Ibrahimovic.

Das Trio hatte sich in den vergangenen Wochen öffentlich deutlich gegen den Rangnick-Deal positioniert. Mal wurde dem Ex-Trainer von Leipzig, Schalke und Hoffenheim fehlender Respekt vorgeworfen, mal der Mangel an großen Titeln und es hieß, man habe den Namen Rangnick noch nie gehört. Der Gegenwind war stark. Entsprechend zufrieden gab sich Maldini. „Wir haben den Beweis gesehen, dass sich Qualität und Professionalität durchsetzen“, sagte der Technische Direktor zur Verlängerung mit Pioli (54): „Stefano ist der richtige Mann, um das Team zu führen, das wir wollen: Erfolgreich, jung und hungrig.“

Ganz nebenbei hat Maldini damit seinen eigenen Job gerettet. Mit der Ankunft von Rangnick wäre der 52-Jährige wohl ebenso ausgebootet worden wie zuvor Sportdirektor Zvonimir Boban. Nun zeigte sich selbst Vorstandschef Gazidis, eigentlich die treibende Kraft hinter der Rangnick-Verpflichtung, pflichtbewusst glücklich über den Verbleib von Pioli. „Diese Entscheidung basiert nicht auf den jüngsten Ergebnissen, sondern darauf, dass Stefano einen Teamgeist und eine Einheit erschaffen hat“, sagte der Südafrikaner.

Rangnick bleibt vorerst „Head of Sport and Development Soccer“ beim Red-Bull-Konzern. Letztlich blieb er auch seinen Prinzipien treu und zog sich aus den Gesprächen zurück, anstatt halbe Sachen zu machen. Doch der Aufseher für die RB-Außenstellen in Brasilien und New York zu sein, dürfte ihn auf Dauer nicht erfüllen. Stattdessen könnte er sich wieder seinem Traumziel England widmen.

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