MAINZ - MAINZ - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will 96 Tage nach Bekanntwerden den Wett- und Manipulationsskandals beim Außerordentlichen Bundestag in Mainz vorläufig abschließen. „Es soll am Donnerstag ein Schlussstrich gezogen werden, so dass nach dem 30. Juni keine Verfahren mehr beantragt werden können. Wir können dann immer noch Neuigkeiten erfahren und sie bewerten“, sagte der Geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger.

Der 59-Jährige registrierte zufrieden die Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bei der Vollversammlung der Lizenzvereine in Köln, wonach die von Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer am 22. Januar ausgelöste Affäre keine Auswirkungen auf die Abstiegsregelung in der 2. Bundesliga haben wird. „Wir wollen, dass es ein Ende hat“, verkündete Liga-Präsident Werner Hackmann.

In der größten Krise seit dem legendären Bundesliga-Skandal von 1971 hat der Verband unter Federführung von Zwanziger, der sich als Krisenmanager profilierte, die Affäre weitgehend aufgearbeitet. Offen ist nur noch die mögliche Sperre von Bundesliga-Referee Torsten Koop (Lüttenmark), alle anderen Fälle wurden bereits verhandelt. Der Verband musste über 16 Einsprüche entscheiden, sechsmal wurde Berufung eingelegt. Das DFB-Bundesgericht bestätigte aber in allen Fällen die Rechtsprechung des Sportgerichts.

Trotzdem werden in der Mainzer Rheingoldhalle richtungweisende Entscheidungen erwartet, um eine Wiederholung von ähnlichen Vorkommnissen zu verhindern. Antrag fünf beschäftigt sich mit einem Wettverbot für Schiedsrichter, Spieler, Trainer und Funktionsträger von Vereinen und Tochtergesellschaften. Untersagt werden soll auch die Möglichkeit, über Dritte Wetten zu platzieren. Das Wettverbot wird Bestandteil der Musterarbeitsverträge.

Der Ligaverband stellte darüber hinaus den Antrag auf Einführung einer eigenen Fußball-Wette ab der Saison 2006/2007. „Wir müssen das Thema besetzen. Die Details müssen noch ausgearbeitet werden“, äußerte Zwanziger. Auf drei Milliarden Euro wird derzeit der deutsche Wettmarkt taxiert.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wird noch in diesem Jahr über die Aufhebung des staatlichen Wettmonopols entscheiden. DFB und DFL versprechen sich neben den Millionen-Einnahmen eine bessere Kontrollfunktion auf dem unübersichtlichen Markt. Liga-Präsident Werner Hackmann geht davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht das staatliche Wettmonopol zu Beginn der kommenden Saison aufheben wird.