MAINZ - Seine Bilanz kann sich sehen lassen. 100 Punktspiele an der Seitenlinie des Fußball-Bundesligisten Mainz 05 hat Thomas Tuchel geschafft – auf Kosten einiger grauer Haare, wie der 38-Jährige einräumt. „Es könnte sein, dass ich noch einmal 100 Spiele schaffe. Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt der Trainer und wird nachdenklich: „Neulich habe ich im Fernsehen gesehen, wie ich in den letzten drei Jahren gealtert bin. Die Zeit rast.“

In drei Jahren hat sich Tuchel in Mainz auch mit solchen Aussagen bereits Kultstatus erarbeitet. Dabei hatte er keinen leichten Start ins Bundesliga-Geschäft. Völlig überraschend entschied sich Manager Christian Heidel im August 2009 nach der Pokal-Pleite beim Regionalligisten VfB Lübeck, Aufstiegstrainer Jörn Andersen zu entlassen und den im Profi-Fußball unerfahrenen Tuchel vom Jugendtrainer zum Chefcoach zu befördern.

„Ich war absolut von seinen Fähigkeiten überzeugt“, sagt Heidel über den jüngsten Trainer im Oberhaus. Und tatsächlich fasste Tuchel im Eiltempo in der Eliteklasse Fuß und führte die Mainzer mit teilweise berauschendem Offensivfußball zum vorzeitigen Klassenerhalt und im zweiten Jahr sogar sensationell in die Europa League. Immer wieder formte er junge Spieler wie André Schürrle, Lewis Holtby oder Adam Szalai.

Doch in dieser Saison bekam das Bild des erfolgreichen Konzepttrainers in der Öffentlichkeit Risse. Ende 2011 durchlebte die Mainzer Mannschaft eine schlechte Phase, Tuchel fiel durch dünnhäutige Auftritte vor TV-Kameras auf und wetterte immer wieder gegen Medien oder Schiedsrichter. Besonders ein Auftritt im ZDF-Sportstudio bescherte ihm zwischenzeitlich das Image eines Dauernörglers und schlechten Verlierers. Doch auch daraus ging der Trainer gestärkt hervor. In der Rückrunde gelang dem Club der Sprung ins gesicherte Mittelfeld. Der Trainer schrieb wieder positive Schlagzeilen.

„Wir gehen mit Tuchel den gleichen Weg wie mit Jürgen Klopp“, zieht Präsident Harald Strutz den Vergleich zum Vorgänger. Nach der nächsten Saison läuft Tuchels Vertrag aus, eine Verlängerung scheint derzeit nur Formsache. Die Chancen auf die nächsten 100 Spiele sind demnach gestiegen.