Hannover - Nur kurz verlor Martin Kind die Fassung. „Diese Verurteilungen, das kotzt mich an“, entfuhr es dem mächtigsten Mann beim abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten Hannover 96: Die meiste Zeit aber hatte sich der Club-Vorsitzende bei der Mitgliederversammlung am Montagabend im Griff.

Der Großteil der Mitglieder folgt Kind weiterhin und sieht in ihm den Retter des Clubs. Doch eine kleine Opposition setzte dem Unternehmer am Vorabend seines 71. Geburtstags mächtig zu. Mit Zwischenrufen machte sie ihrem Unmut immer wieder Luft.

Vor allem der Verkauf der letzten 15,66 Prozent Anteile des Stammvereins an eine der vielen GmbHs in dem schwer durchschaubaren Konstrukt von 96-Wirtschaftsunternehmen brachte einzelne Mitglieder wieder einmal gegen Kind auf. Dieser Deal war schon im Herbst über die Bühne gegangen. Dass er erst jetzt öffentlich gemacht wurde, sorgte für Ärger. Drei Durchgänge bedurfte es schließlich, ehe der Vorstand um Kind seine Entlastung bekam. Der Verkauf ist ein emotionales Thema. Dabei kassiert der Stammverein mehr als drei Millionen Euro, wobei sich an den Machtverhältnissen im Club nichts ändert.

„Wir haben die Seele des Vereins nicht verkauft“, sagte Vorstandsmitglied Ralf Waßmann. Offenbar ist es so, dass die Sales & Service GmbH & Co. KG dem Mutterverein fast dreimal soviel Geld für die Anteile zahlte, wie sie nach der Beurteilung eines Gutachters wert sind. Was die Opposition stört, ist das Gefühl der Allmacht von Kind. Der Unternehmer ist Vorsitzender des Vereins und Mehrheitsgesellschafter der Sales GmbH.