Hannover - Bei der schwierigen Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Mirko Slomka blickt Hannover 96 notgedrungen über die deutschen Grenzen hinaus. Weil dem Fußball-Bundesligisten Wunschkandidaten bereits absagten oder nicht verfügbar sind, schwebt Clubchef Martin Kind nun eine europäische Trainerlösung vor. „Der deutsche Markt ist überschaubar. Wir gucken schon europäisch“, sagte Kind.

Der Unternehmer hält nichts von den üblichen Verdächtigen á la Bruno Labbadia, Markus Babbel, Thorsten Fink oder Holger Stanislawski, die verfügbar wären und deshalb schon reflexartig als Slomka-Nachfolger gehandelt wurden. „Wir haben mit keinem, der in der Öffentlichkeit genannten Namen Kontakt gehabt“, bekräftigte Kind.

Der 96-Präsident fordert „eine mutige Entscheidung“. Die könnte laut „Bild“-Zeitung Murat Yakin heißen. Der 39-jährige frühere Stuttgarter Profi trainiert derzeit den FC Basel, soll aber für die Bundesliga eine Ausstiegsklausel besitzen.

Denn eine Ablösesumme für einen vertraglich gebundenen Coach wollen sich Kind und der Club nach der Millionen-Abfindung für Slomka sparen. Bis zum Trainingsstart am kommenden Sonntag soll der neue Coach gefunden sein. Die Niedersachsen gehen davon aus, dass dies rechtzeitig klappt.

Ob nun Yakin oder ein anderer Deutsch sprechender Coach in den kommenden Tagen vorgestellt wird: Der neue Mann müsste mit dem Makel leben, nicht erste Wahl zu sein. Der mit der Trainersuche beauftragte Sportdirektor Dirk Dufner hatte sich bereits nach der Trennung von Slomka am Freitag von der Wunschlösung verabschiedet. „Manchmal bekommt man die Idealvorstellung aber nicht“, sagte Dufner vor den Sondierungsgesprächen mit „mehr als zwei oder drei Kandidaten“.

Denn die Fahndung in ganz Europa geschah nicht ganz freiwillig. Kinds Wunschkandidat Thomas Schaaf hatte bereits erste Sondierungsanfragen abgelehnt, als Slomka noch im Amt war. Dies gilt auch für erste Spekulationen über André Breitenreiter aus Paderborn und Frank Kramer aus Fürth.

Auch wenn Kind darauf verwies, „bei Herrn Kramer und Herrn Breitenreiter gar nicht angefragt“ zu haben, bezeichnete er die öffentliche Demontage Slomkas in der vergangenen Woche doch als unglücklich: „Auf jeden Fall haben wir insgesamt keine gute Krisenstrategie gehabt. Das ist deutlich zu sehen. Ich persönlich habe auch einige Fehler gemacht, die man mit Abstand sicher anders beurteilt und anders reagiert hätte.“