Bremen - Erst nach Spielschluss leistete sich Lewis Holtby eine Konzentrationsschwäche. „Demut kommt vor dem Fall“, sagte der Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zur Lage seines Teams nach dem 3:1-Sieg bei Werder Bremen. Dann schob der 25-Jährige schnell nach: „Ich meine natürlich, Hochmut kommt vor dem Fall. Wir müssen diesen Sieg richtig einordnen und dürfen jetzt nicht schon wieder vom Europapokal träumen. Sonst kann es schnell wieder nach unten gehen.“

Holtby war beim Sieg der Hamburger in Bremen der unumschränkte Herrscher im Mittelfeld. Er lief, gestikulierte und rief Kommandos über den Platz. Genau einen solchen Holtby hatten sich die Hamburger gewünscht, als sie ihn im Spätsommer 2014 aus der englischen Premier League vom Londoner Club Tottenham Hotspur zurück in die Bundesliga holten. Holtby passte sich allerdings schnell der damaligen Formschwäche der übrigen HSV-Akteure an. Jetzt, ein gutes Jahr später, zeigt er, was in ihm steckt. Sollte es für ihn und die Hamburger weiterhin bergauf gehen, könnte auch Holtbys Nationalmannschafts-Karriere neuen Schwung erhalten. 2010, 2011 und 2012 hatte er unter Bundestrainer Joachim Löw jeweils einen Einsatz gehabt.

HSV-Trainer Bruno Labbadia war wie Holtby bemüht, Mannschaft und Fans auf dem Boden zu halten. Er erinnerte an die Situation bei seinem Amtsantritt vor rund einem halben Jahr. „Damals haben wir hier das Nordderby mit 0:1 verloren und steckten tief im Abstiegskampf. Von daher können wir froh sein, dass wir hier überhaupt wieder zu einem Bundesligaspiel antreten konnten“, sagte der 49-Jährige: „Das, was wir in den vergangenen Wochen erreicht haben, müssen wir nun bestätigen.“

Getrübt wurde die Hamburger Freude durch die Verletzung von Pierre-Michel Lasogga. Der Stürmer war in der ersten Hälfte nach einem Zweikampf auf die Schulter gefallen und hatte sich diese ausgekugelt. Da der 23-Jährige sich bereits mehrmals an der Schulter verletzt hatte, geht Labbadia davon aus, dass Lasogga nun mehrere Monate fehlen wird.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)