München - Mit einem herzhaften „Servus“ betrat Daniel Bierofka das vollbesetzte Presse Stüberl von 1860 München. Nach der Trennung von dem gescheiterten Routinier Benno Möhlmann soll der bisherige U-21-Trainer die zutiefst verunsicherten „Löwen“ vor dem Absturz aus der 2. Fußball-Bundesliga bewahren. „Ich habe keine zwei Sekunden überlegen müssen. Ich hänge an diesem Verein“, begründete Bierofka seine Herzensentscheidung: „Angst habe ich überhaupt keine.“ Der 37-Jährige ist von seiner Mission überzeugt. „Für mich ist es eine Ehre und Herausforderung, es in so einer Situation schaffen zu können.“

Vier Spiele vor Saisonende ist die Trennung von dem in Lohne (Kreis Vechta) geborenen Möhlmann ein Akt der Verzweiflung. Der 61-Jährige holte mit den „Löwen“ in 19 Spielen nur fünf Siege. Nach 196 Tagen im Amt sah sich Sportdirektor Oliver Kreuzer zur Beurlaubung des Nachfolgers von Torsten Fröhling (2010/2011 Trainer des VfB Oldenburg; inzwischen bei Drittligist Wehen Wiesbaden) veranlasst.

„Letztlich fehlte uns der Glaube, den Klassenerhalt in dieser Konstellation zu schaffen“, sagte Kreuzer. Mit Möhlmann, in seiner aktiven Zeit Profi für Werder Bremen (1978 bis 1987) und den Hamburger SV (1987 bis 1989), war er „nicht mehr zu 100 Prozent überzeugt, den Klassenerhalt zu schaffen“.

Am Ende des Tages sei man „bei ,Biero’ hängengeblieben“, sagte Kreuzer: „Er hat in der U 21 bewiesen, dass er ein Trainertalent ist.“ Bierofka sei eine „absolute Identifikationsfigur“ und nicht nur wegen seiner Spielervergangenheit in München „emotional mit dem Verein verbunden“. Schon sein Vater Wilhelm war Trainer beim TSV 1860.

Bierofka soll erstmal bis Saisonende die Münchner betreuen. Für den dreimaligen Nationalspieler kam die Berufung überraschend. Er will seiner Mannschaft Aggressivität und stärkeren Zusammenhalt einimpfen. „Wenn einer nicht mitzieht, wird er Probleme bekommen“, kündigte er vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (13.30 Uhr) gegen Eintracht Braunschweig an.