• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Fußball

Idol in zwei verfeindeten Clubs

05.12.2019

Mönchengladbach Irgendwie lebt Hennes Weisweiler noch immer. In Mönchengladbach, wo die Borussia seit 2004 an der Hennes-Weisweiler-Allee 1 zu Hause ist. In Köln, wo der FC-Geißbock seit jeher Hennes heißt. Beim Deutschen Fußball-Bund, der seine Trainer-Talente an der Weisweiler-Akademie ausbildet. Und im kleinen Erftstadt-Lechenich, wo die Germania im Hennes-Weisweiler-Sportpark ihre Gegner fordert.

Dort, vor den Toren von Köln, wurde Hennes Weisweiler am 5. Dezember 1919 geboren, und dort liegt er seit seinem plötzlichen Tod im Jahr 1983 auch begraben. Zwischen diesen Daten eroberte „de Boor“, der Bauer aus der Voreifel, der an diesem Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, die weite Fußball-Welt – ob in Gladbach, Köln, Barcelona, New York oder zuletzt Zürich. „Ein Leben dem Fußball“, steht auf seinem Grabstein. Mehr Worte braucht es eigentlich nicht.

Oder vielleicht doch. Denn Weisweiler, eigentlich Hans mit Vornamen, aber wer sagt das schon im Rheinland, hinterließ Spuren, egal wo er war. Mit Stars wie Günter Netzer, Wolfgang Overath, Johan Cruyff oder Giorgio Chinaglia mag der mitunter knorrige Kauz seine Probleme gehabt haben, doch sie alle sprachen und sprechen voller Hochachtung über ihren Hennes, der mit gnadenlosem Offensivfußball Herzen eroberte.

Als Spieler blieb Weisweiler eher unauffällig, als Trainer erlangte er Weltruhm. Ganz am Anfang half Sepp Herberger: Als 1964 ein mäßig erfolgreicher Oberligist namens Borussia Mönchengladbach einen Fußballlehrer suchte, empfahl der Noch-Bundestrainer den Mann aus Lechenich. Ein Jahr später stieg die Borussia in die Bundesliga auf. 1975, als Weisweiler zum großen FC Barcelona ging, war der Provinzclub dreimaliger deutscher Meister, Pokalsieger und Uefa-Cup-Sieger.

„Beim Stichwort Hennes Weisweiler übermannen mich selbst heute noch die Emotionen. Alles, was ich je erreicht habe, verdanke ich ihm“, schrieb der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts 2014 in einem Buch über Weisweiler. Netzer verriet, nach seiner legendären Selbst-Einwechslung im Pokalfinale 1973 nie mehr mit Weisweiler über den Zwist gesprochen zu haben. Auch nicht, als der Trainer ihm Jahre später in einer Düsseldorfer Kneipe das Du anbot. Netzer hat eine klare Meinung, wenn es um den wichtigsten Borussen geht. „Ich habe ihm alles zu verdanken“, sagt der heute 75-Jährige. „Er hat Borussia Mönchengladbach gemacht, und er hat mich gemacht.“ Auch Ex-Weltmeister Rainer Bonhof meint: „Hennes Weisweiler war die Figur. Er hat Borussia Mönchengladbach gemacht.“

In Barcelona blieb Weisweiler nur neun Monate, weil er den Machtkampf gegen Johan Cruyff verlor. Also kehrte er zurück in sein geliebtes Köln, wo er verlässlich ablieferte: Das Double 1978 ist bis heute der größte Triumph der Vereinsgeschichte. Weiter ging es zum schillernden US-Klub Cosmos New York und den Grasshoppers aus Zürich.

Dort starb Weisweiler, nur zwei Wochen nach seiner Hochzeit, am 5. Juli 1983 mit erst 63 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Er hinterließ Ehefrau Gisela und den erst 22 Monate alten Sohn John. Die Trauerfeier glich einem Staatsbegräbnis. Mehr als 20 000 Gäste versammelten sich im und um den Kölner Dom, mehr waren es nur beim Tod von Altkanzler Konrad Adenauer.

Sein Andenken lebt bis heute. Ab und an treffen sich Gladbacher Altstars, um für einen guten Zweck zu kicken. Viele haben nie unter dem legendären Coach gespielt, doch der Name des Traditionsteams ist Programm: Es ist die Weisweiler-Elf.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.