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NWZonline.de Sport Fußball

Franzosen bringen Präsident zum Tanzen

16.07.2018

Moskau Staatschef Emmanuel Macron führte in der Ehrenloge einen Tanz auf und riss die Fäuste nach oben, Frankreichs Fußball-Helden warfen ihren Trainer Didier Deschamps in die Luft und feierten mit ihren Fans im legendären Huh-Jubel. In einem verrückten Finale eroberte die „Grande Nation“ 20 Jahre nach dem Heimtriumph ihren zweiten WM-Titel.

Angeführt vom „Man of the Match“ Antoine Griezmann schoss die „Équipe Tricolore“ im torreichsten Endspiel seit 1966 am Sonntag einen 4:2 (2:1)-Triumph im Finale der Weltmeisterschaft in Russland gegen Kroatien heraus und löst Deutschland auf dem Fußball-Thron ab. Mit der Tricolore in den Händen ging es für WM-Shootingstar Kylian Mbappé und seine Kollegen auf die Ehrenrunde.

„Ich weiß gar nicht, wo ich bin“, sagte Griezmann und kündigte an, den Goldpokal mit ins Bett nehmen zu wollen. „Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen“, fügte er an.

Ein Eigentor von Ex-Bundesliga-Star Mario Mandzukic (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Mbappé (65.) vor 78 011 Zuschauern im ausverkauften Moskauer Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Party-Rausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d’Azur.

„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental und oft genug getroffen“, sagte Deschamps. Der 49-Jährige, der vor 20 Jahren den WM-Pokal als Kapitän entgegengenommen hatte, ist durch den Triumph von Moskau zu einer Legende im Weltfußball aufgestiegen. Nur Beckenbauer, 1974 und 1990, und der Brasilianer Mario Zagallo (1958 - 1962 und 1970) haben WM-Titel als Spieler und Trainer gewonnen.

Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perisic (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandzukic (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Hugo Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. Der zweite WM-Platz ist dennoch der größte Fußball-Erfolg nach dem dritten Platz vor 20 Jahren.

Die favorisierten Franzosen hatten Mühe, ins Spiel zu kommen. Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart – neben dem Kroaten Ante Rebic von Eintracht Frankfurt einer von zwei Bundesliga-Profis in den Startformationen – hatte mit Perisic auf der rechten Außenbahn große Mühe.

Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste vielversprechende Offensivaktion der Blauen. Erst in der Superzeitlupe war eindeutig zu sehen, dass der Franzose abhob, bevor Marcelo Brozovic ihn am Bein traf. Und Mandzukic wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel minimal, die Flugkurve veränderte sich. Ungläubig nahm der Ex-Bayern-Stürmer sein Eigentor zur Kenntnis. Doch den Kroaten gelang der Ausgleich. Perisic drehte sich geschickt um N’Golo Kanté und schoss ein.

Die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale. Das Handspiel von Perisic bewertete Referee Nestor Pitana erst nach langem Studium vor dem Bildschirm als strafstoßwürdig. Griezmann nutzte die Chance zu seinem vierten WM-Treffer.

Nach der Pause machte Subasic einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas wuchtige Abnahme nicht mehr parieren. Kurz darauf erledigten sich alle rechnerischen Gedankenspiele. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen.

Dann leistete sich Lloris einen fatalen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandzukic zu spielen, ließ der Kroate einfach den Fuß stehen – nur noch 2:4. Die Wende gelang dem Außenseiter aber nicht mehr.

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