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NWZonline.de Sport Fußball

Kroaten völlig außer Rand und Band

13.07.2018

Moskau Der Stolz einer vom WM-Glück berauschten Nation soll Kroatiens Helden jetzt auch an die Spitze der Fußball-Welt tragen. Trainer Zlatko Dalic hatte nach dem 2:1-Halbfinal-Triumph gegen England zur Pressekonferenz das rot-weiße Karo-Trikot als Signal an das freudetrunkene Vier-Millionen-Volk übergestreift, Kapitän Luka Modric sagte: „Kroatien ist im Moment der Wahnsinn.“

In der Heimat tanzten Hunderttausende auf den Straßen, die Boulevardzeitung „24sata“ jubelte am Donnerstag: „Wir greifen nach Gold.“ Im Endspiel von Moskau an diesem Sonntag (17 Uhr/ZDF) gegen Frankreich wollen die Kroaten nun Revanche für 1998 und erstmals in ihrer Geschichte den WM-Pokal hochhalten.

„Jeder erinnert sich in Kroatien an dieses Spiel“, sagte Dalic: „Vielleicht hat uns der liebe Gott ja die Möglichkeit gegeben, dieses Ergebnis zurechtzurücken.“ Vor 20 Jahren hatte Kroatien im Stade de France von Paris im Halbfinale eine 1:2-Niederlage gegen den WM-Gastgeber erlitten. Das Spiel um Platz drei gegen die Niederlande gewann die Mannschaft dann mit 2:1 – ein schwacher Trost.

Nun hat die goldene Generation um Modric das bis dato erfolgreichste Team um Torjäger Davor Suker übertrumpft und kann ihren Siegeszug nach drei Spielen mit Verlängerung in der K.o.-Phase im Finale am Sonntag krönen. „Wir sind die Feurigen, wir sind nicht normal. Wir haben Geschichte geschrieben“, sagte Torhüter Danijel Su-basic, dem ein Elfmeterschießen dieses Mal gerade noch erspart geblieben war: „Kroatien brennt und wir sind noch nicht ausgebrannt. In uns steckt noch Kraft.“

Zum dritten Mal hatte das Dalic-Team auch einen Rückstand wettgemacht und drehte die Partie in Moskau durch Tore des früheren Dortmunders Ivan Perisic (68. Minute) und des ehemaligen FC Bayern-Stürmers Mario Mandzukic (109.). „Was wir für unser Land schaffen, ist fantastisch“, sagte der Chefcoach mit glänzenden Augen und lobte immer wieder den Charakter seines Teams: „Ich wollte auswechseln, aber keiner wollte runter. Zwei Spieler haben mit einem halben Bein gespielt. Ich bin so stolz, keiner hat aufgegeben.“ Auch Kroatiens Co-Trainer Ivica Olic, der einst unter anderem für den Hamburger SV ebenfalls in der Bundesliga gespielt hatte, schüttelte den Kopf: „Unser Traum geht weiter.“

Der kleine Modric verschwand fast hinter einem Riesenstrauß an Mikrofonen. „Wir waren phänomenal. Eine unvergessliche Nacht, ich glaube, wir haben es verdient, wir haben eine unglaubliche Moral gezeigt“, sagte der geniale Ballverteiler von Real Madrid und lobte Trainer und Team: „Seit ich in der Nationalelf bin, habe ich noch nicht so eine Gemeinschaft gesehen, die uns dahin geführt hat, wo wir jetzt stehen.“ Modric ahnte, was in seiner Heimat los war. „Das ganze Land schläft nicht“, sagte er.

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