MüNCHEN - Knapp sechs Jahre ist er her, der Wendepunkt seiner Karriere: Oliver Kahn saß auf dem Rasen, lehnte am Pfosten und blickte ins Leere. Kurz zuvor war der beste Spieler der Weltmeisterschaft noch der „Titan“, der „King Kahn“ – jetzt, nach seinem Fehler im Finale gegen Brasilien, nur noch ein trauriger Mensch. „Die Tragik des Torhüterspiels“ zeige diese Szene, sagt Kahn im Rückblick, und zugleich den „Kitzel, zwischen Held und Versager zu schweben“.
Der stete Aufstieg zum Übermenschen war vorbei. Nun sagt der dreimalige Welttorhüter, Europameister, Championsliga- und Uefapokal-Sieger, achtmalige deutsche Meister und sechsmalige Pokalsieger Servus.
Die 0:2-Niederlage, eingeleitet durch Kahns einzigen Patzer im Turnier, als er Rivaldos Schuss abprallen ließ und Ronaldo einschob, kennzeichnete nicht den Beginn eines Abstiegs, sondern den einer Wandlung. „Der Fehler im Finale sollte mir zeigen, dass irgendetwas an meinem Weg nicht in Ordnung ist“, sagt Kahn. Als er die Korrektur, die Flucht aus dem Tunnel Fußball, vorgenommen hatte, „ging es mir besser“.
Am Sonnabend gegen Hertha BSC wird der 38-Jährige sein 557. und letztes Bundesliga-Spiel erleben. Kahn geht, und Bayern München und der deutsche Fußball verlieren eine Symbolfigur.
Merkwürdig sei es, meint Kahn, dass vor allem die negativen Erlebnisse haften geblieben seien. Die 1:2-Niederlage in der Nachspielzeit im Championsliga-Finale 1999 gegen Manchester United oder sein Fehlgriff im WM-Finale 2002. Aber auch seine Ausraster wie der Kung-Fu-Sprung gegen Stephane Chapuisat und der Halsbiss gegen Heiko Herrlich.
Konkrete Pläne für die nähere Zukunft gibt es keine. Kahn: „Ich plane gar nichts, sondern werde versuchen, die Übergangsphase zu bewältigen, die sicher das eine oder andere Jahr dauern wird.“
