München - Thomas Müller lächelte, als er sein Trikot mit dem notwendigen Sicherheitsabstand zu den Chefs in die Höhe hielt. Die große Identifikationsfigur und der FC Bayern setzen ihre titelfreudige Zusammenarbeit mindestens bis 2023 fort. „Die ganze Welt steht still, da hat der Fußball jetzt nicht die Hauptpriorität, auch für mich persönlich nicht“, sagte Müller: „Aber natürlich denkt man bei so einer Vertragsverlängerung an die Zukunft. Und in Zukunft – da gehe ich schwer von aus – wird auch wieder Fußball gespielt.“

Nach der Verlängerung mit Trainer Hansi Flick ebenfalls bis 2023 fixierten die Münchner die nächste perspektivische Personalentscheidung. Müller kam als kleiner Bub mit zehn Jahren zum Rekordmeister. Der mittlerweile 30-Jährige feierte mit den Profis acht Meisterschaften, fünf Pokalsiege und im Triplejahr 2013 auch den Triumph in der Champions League.

„Man hat Enttäuschungen erlebt, man hat riesige Erfolge gefeiert“, erinnerte Müller: „Natürlich ist dieser Verein nicht nur irgendein Arbeitgeber für mich, sondern mit dem Fußball und dieser Historie meine Leidenschaft.“ Als gebürtiger Oberbayer hat Müller nicht nur aus sportlichen Gründen eine herausragende Bedeutung. „Ich fahre schon zwei Drittel meines Lebens zur Säbener Straße“, sinnierte er.

Auch die Arbeitspapiere seiner Weltmeister-Kollegen von 2014, Manuel Neuer und Jérôme Boateng, sowie die von David Alaba, Javi Martínez, Thiago und Sven Ulreich laufen wie der alte Vertrag von Müller im Sommer aus. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt betont, dass die bisherigen Angebote „ohne Corona-Discount“ seien. Der 64-Jährige freute sich ebenso wie sein zukünftiger Nachfolger Oliver Kahn über die Vertragsverlängerung mit dem Parade-Bayern. „Thomas ist für die Fans hier vor Ort, für die eingefleischten FC-Bayern-Fans eine ganz große Identifikationsfigur“, sagte Kahn. „Aber er ist auch jemand, der weltweit bekannt ist. Er trägt auch mit seiner Leichtigkeit viele Dinge und Eigenschaften, die der FC Bayern verkörpern möchte, ins Ausland.“

Die Vertragsverlängerung ist ein eindrucksvoller Beweis für die Schnelllebigkeit des Profi-Fußballs. Nachdem Ex-Trainer Niko Kovac Müller zum Notnagel degradiert hatte, stieg die Führungskraft unter Flick zum Leistungsträger auf. Beim bislang letzten Bayern-Spiel in dieser Saison, dem 2:0 gegen den FC Augsburg, demonstrierte er das mit seinem 116. Bundesligator im 343. Spiel. Mit 16 Torvorlagen ist er der Top-Vorbereiter der Liga in dieser Spielzeit.