MüNCHEN - MÜNCHEN/DPA/SID - Oliver Kahn hielt seinen Kasten sauber, aber der ehemalige Fußball-Nationaltorwart steht nach dem 2:0 (1:0) im Bundesliga-Spitzenspiel seines FC Bayern gegen Schalke 04 wieder am Pranger. Rückendeckung erhält der Kapitän von Trainer Ottmar Hitzfeld.

So muss Kahn weder nach seiner Handgreiflichkeit gegen Schalke-Stürmer Sören Larsen noch bei einer Klasse-Leistung seines Stellvertreters Michael Rensing am Dienstag im Championsliga-Spiel des FC Bayern beim AC Mailand (20.45 Uhr/Premiere), der beim AS Rom nur zu einem 1:1 kam, um seine Position als Nummer eins beim deutschen Rekordmeister fürchten. Hitzfeld schloss eine Wachablösung, wie sie es bei Schalke 04 mit Manuel Neuer (21) für den zum Hamburger SV gewechselten Frank Rost sowie in Leverkusen mit der Beförderung von Rene Adler (22) für Jörg Butt gegeben hatte, kategorisch aus.

Für den Nachwuchs ließ Neuer Leistung sprechen: „Hut ab vor dem Jungen. Ohne ihn hätten sie fünf Stück kriegen können“, bemerkte FCB-Manager Uli Hoeneß.

Hitzfeld rüffelte Kahn, der Larsen („Das war klar Rot, ich weiß nicht, warum er das gemacht hat“) zu Boden stieß (68.) und dafür Rot hätte sehen müssen: „Da muss man sich besser im Griff haben.“ Kurz vor seinem Karriereende stehe der 37-Jährige aber mehr unter Druck als in der Vergangenheit. „Er will einen guten Abgang haben. Ihm ist nicht egal, wie er von der Bühne abtritt“, sagte Hitzfeld.

„Ich habe einen heftigen Schlag bekommen, von oben, von unten, von allen Seiten. Da habe ich überreagiert“, sagte Kahn. „Es war aber kein Schlagen gegen Larsen.“

Schiedsrichter Herbert Fandel sah es ähnlich. „Für mich war die Frage: Schlägt er oder schlägt er nicht. Für mich hat er nicht geschlagen“, sagte er. „Es war aber ein Grenzfall.“

Die Schalker waren anderer Meinung. „Jeder andere Torwart hätte Rot bekommen“, sagte Trainer Mirko Slomka. Auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer hätte eine Rote Karte als gerechtfertigt angesehen: „Ich weiß nicht, warum er sich so aggressiv aufführt.“

Für Hitzfeld ist und bleibt Kahn jedoch ein „Leader“ bei Bayern. So lange Kahn gut halte, sehe er „keinen Grund“, sich über die Hierarchie „ernsthaft Gedanken zu machen“. Hitzfelds Wertschätzung für Rensing und das Vertrauen in den 22-Jährigen für dessen zweiten Championsliga-Einsatz in Mailand ist aber groß: „Michael Rensing ist ein Torhüter, der auch die Nummer eins bei Bayern sein könnte.“ Die Wachablösung ist 2008 geplant. Das bestätigte auch der 37-Jährige selbst: „Für mich ist voraussichtlich am 30. Juni 2008 meine Karriere beendet.“

Schalke erarbeitete sich in der Partie mit den Toren von Roy Makaay (3.) und Hasan Salihamidzic (78.) kaum eine Chance. „Wir haben kein Herz, keinen Mut gehabt“, kommentierte Fabian Ernst. Ohne den gesperrten Lincoln ging nach vorne fast nichts, zudem verletzte sich Stürmer Peter Lövenkrands erneut und fällt bis Saisonende aus.