MüNCHEN - Anzeige erstattet hat Real Madrid am Dienstagabend. Nicht, weil die Mannschaft der Königlichen das Hinspiel im Halbfinale der Fußball-Champions-League 1:2 (0:1) bei Bayern München verloren hatte. Zwei Paar Schuhe – eins gehörte dem deutschen Nationalspieler Mesut Özil – waren aus der Real-Kabine am Nachmittag ebenso abhanden gekommen wie zwei Trikots von Torjäger Cristiano Ronaldo.
Daran lag es aber nicht, dass die Madrilenen jetzt im Rückspiel mehr gefordert sind als sie erwartet hatten. Es war die unwiderstehliche Gier der Bayern zu spüren, ein Teil des Heimfinales am 19. Mai und nicht nur stiller Beobachter dessen zu sein. Und nach dem Sieg können die Bayern der Herkulesaufgabe am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr/Sat 1) im Bernabeu-Stadion hoffnungsvoller entgegensehen.
Real Madrid ist zu bezwingen – das war die Erkenntnis aus dem ersten „Spiel des Jahres“ für die Bayern. Und in der Champions League können Gomez & Co. mit dem großen Finalziel vor Augen Kräfte mobilisieren und Siege erzwingen, die national im Duell mit Borussia Dortmund nicht gelangen. „Das zeichnet meine Mannschaft aus, dass wir nie aufgeben, dass wir eine super Moral haben, dass man dann auch solch einen Sieg erzwingt“, lobte Trainer Jupp Heynckes seine Mannschaft.
„Wir wollten 90 Minuten eine Schlacht liefern, das haben wir getan“, kommentierte Kapitän Philipp Lahm stolz wie ein Feldherr.
Weil ausgerechnet Nationalspieler Mesut Özil (53. Minute) das 1:0 des großartig aufspielenden Franck Ribéry (17.) ausgleichen konnte, reist der FC Bayern mit einem „gefährlichen Ergebnis“ zum Rückspiel, mahnte Siegtorschütze Mario Gomez. Aber der neunte Sieg im zehnten Heimspiel gegen die Königlichen, den über zehn Millionen Zuschauer an den TV-Geräten verfolgten, gab viel Selbstvertrauen nach dem Titel-K.o. in der Bundesliga. „Wenn wir zu Null spielen, sind wir im Finale. Wenn wir gewinnen, sind wir im Finale. Wenn wir unentschieden spielen, sind wir im Finale – die Chancen sind nicht schlecht“, analysierte Gomez.
Einen – womöglich entscheidenden – Vorteil haben die Bayern: Sie müssen am Sonnabend im für sie unbedeutenden Spiel bei Werder Bremen antreten, während Real im Kampf um den Titel den FC Barcelona empfängt.
