MüNCHEN - Die Erwartungen an Mesut Özil könnten nicht größer sein. Selbst Real-Legende Alfredo di Stéfano (85) vertraut vor dem Gigantenduell in der Champions League gegen den FC Bayern besonders auf die Magie des Zauberers von Öz. „Cristiano Ronaldo und Özil haben ihre Flügel geöffnet, mit ihnen werden sehr viele gute Dinge passieren“, kündigte die Fußball-Ikone für den Auftritt von Real Madrid im Halbfinal-Hinspiel beim deutschen Rekordmeister Bayern München an diesem Dienstag (20.45 Uhr/Sat 1) an.

Abgesichert von seinem deutschen Nationalmannschaftskollegen Sami Khedira (25/ehemals VfB Stuttgart) soll Özil (23) die Offensivmaschine ähnlich filigran dirigieren wie zuletzt beim 3:1 gegen Sporting Gijon. Doch obwohl Real mit 107 Toren den Ligarekord schon vor Saisonende einstellte und mit dem überragenden Ronaldo (53 Pflichtspieltreffer) ungeschlagen durch Europa pflügte, ist der Respekt vor der „Bestia Negra“ immens. Von 18 Partien in der Königsklasse gewannen die Königlichen gegen die als schwarze Bestie gefürchteten Münchner nur sechs.

Und so gibt sich auch José Mourinho ungewohnt zurückhaltend: „Das Duell Bayern gegen Madrid ist absolut offen“, sagte der Trainer.

Vom Ex-Bremer Özil war vor dem Duell mit seinen früheren Bundesligarivalen wie so häufig ebenfalls keine Kampfansage zu hören. Wie schon während seiner Engagements bei Schalke 04 und Werder sowie bei seinen Auftritten in der deutschen Nationalmannschaft sucht er auch in der neuen Heimat abseits des Platzes kaum das Scheinwerferlicht und schwankt in der Beurteilung der Öffentlichkeit zwischen den Extremen. Nur die Zuschauerrolle bleibt in großen Spielen hingegen für den früheren Bayern Hamit Altintop (29) und den ebenfalls vor dieser Spielzeit gewechselten Ex-Dortmunder Nuri Sahin (23).

Auch wenn nicht nur Münchens Trainer Jupp Heynckes betont, dass Real „nicht nur Mesut Özil ist“, ragt der 23-Jährige aus dem Quartett der ehemaligen Bundesligaspieler bei Real heraus. Mit mehr als 80 Schussvorlagen und 15 Assists ist er in der Primera División sogar zum besten Vorbereiter in Spanien aufgestiegen. „Ich bin viel reifer geworden, habe mich entwickelt“, sagte Özil kürzlich.

Von seiner Zuarbeit profitiert besonders Özils kongenialer Offensivpartner Cristiano Ronaldo (27), der nun ebenfalls seine gewonnene Fußball-Weisheit unter Beweis stellen muss. Der frühere Egozocker scheint trotz seiner Torbestmarke bei 41 Ligatreffern nicht mehr einzig darauf aus, sein eigenes Können in Szene zu setzen. „Rekorde sind nicht das, was ich will“, kündigte der Portugiese vor dem Europapokal-Klassiker gegen München an und strebt eine Rückkehr in die Münchner Arena für das Endspiel am 19. Mai an: „Ich will die Meisterschaft und die Champions League gewinnen. Das ist mein Ziel.“