MüNCHEN - Franz Beckenbauer sah die Bayern „auf Augenhöhe mit den Spitzenteams“. Oliver Kahn kritisierte Willy Sagnol.
von Thomas Niklaus
und Thomas Häberlein
MÜNCHEN - Die Enttäuschung nach dem knapp verpassten „Fußball-Wunder“ war riesig, Kapitän Oliver Kahn sprach sogar von der „Höchststrafe“ – doch allzu lange wollte sich Bayern München mit dem erneuten Ausscheiden in der Champions-Liga nicht beschäftigen. Vielmehr war der deutsche Fußball-Rekordmeister nach seinem letzten Europapokal-Auftritt im Olympiastadion und dem wertlosen 3:2 (0:1)-Erfolg im Viertelfinal-Rückspiel gegen Chelsea London bemüht, die Wehmut zu verdrängen und sich auf neue Ziele einzuschwören.„Wir haben jetzt einen Tag Zeit zu trauern. Aber ab Donnerstag gilt die volle Konzentration der deutschen Meisterschaft und dem DFB-Pokal“, sagte Trainer Felix Magath nach dem 100. Spiel in der „Königsklasse“. „Nun müssen wir eben sehen, dass wir in der kommenden Saison in der Champions-Liga erfolgreicher sind. Ich hoffe, dass es wieder gegen Chelsea geht, da drehen wir den Spieß um.“
Überhaupt sahen sich die Münchner „ganz bestimmt auf Augenhöhe mit den Spitzenteams aus Europa“, wie es Präsident Franz Beckenbauer formulierte.
Vor 59 000 Zuschauern ging den Bayern aber in den entscheidenden Szenen dennoch die Klasse ab. Konnte man das 0:1 durch Frank Lampard (30.) nach einem von Lucio abgefälschten Schuss noch als unglücklich bezeichnen, ließen sich Willy Sagnol und Robert Kovac beim 1:2 durch Didier Drogba (80.) düpieren. So viel Zeit zum Flanken habe man „allenfalls bei einem Altherrenspiel“, moserte Kahn in Richtung Sagnol. Mehr als der Ausgleich durch
Claudio Pizarro (65.) und die zwei späten Treffer durch Paolo Guerrero (90.) und Mehmet Scholl (90.+5) sprangen für die bemühten Bayern nicht heraus.
„Wir müssen analysieren, wo Chelsea dieses eine Zehntel, eine Hundertstel besser ist, was sie diesen einen Schritt, dieses eine Tor besser macht“, sagte Kahn. „Ich glaube, das ist wichtiger, als dass wir uns jetzt in den Armen liegen und sagen, wir hätten Chelsea an die Wand spielen können.“
Während Chelsea den Halbfinal-Einzug mit Kampfkraft und spielerischer Intelligenz sicherte, ließ der Club am Rande des Duells jeglichen Stil vermissen. Der gesperrte Teammanager Jose Mourinho, der sich die Partie von der Tribüne aus hatte ansehen wollen, verließ das Olympiastadion eine halbe Stunde vor dem Anpfiff und ließ sich per Taxi ins Hotel fahren. Er habe sich unter den Fans „nicht wohl gefühlt“, gab er anschließend zu Protokoll. Der Club ließ verbreiten, der 42-jährige Portugiese sei von Autogrammjägern und Fernsehkameras „vertrieben“ worden. Chelsea fordert nun eine Erklärung der Uefa dafür, warum es den Kameras gestattet wurde, den Coach „zu bedrängen“.
