München - Dieses Mal hat es also 29 Spieltage gedauert, bis der Meister auch offiziell und rechnerisch feststand. Und nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob die Liga denn durch die regelmäßigen und frühen Titelgewinne des FC Bayern gähnend langweilig geworden ist.

Ja, sagen die einen, denn zu einer spannenden Saison gehört für sie, dass die Entscheidung nicht Anfang April, sondern erst im Mai fällt – am besten noch an einem der letzten beiden Spieltage, wenn alle neun Partien gleichzeitig ausgetragen werden. Die Ereignisse von 2001, als die Meisterschaft erst in der Nachspielzeit der 34. Runde vergeben wurde, haben sich eben ins Gedächtnis vieler Fußball-Interessierter eingebrannt.

Nein, sagen die anderen, für die das Titelrennen ohnehin nicht Priorität hat. Für viele Fans ist das Schicksal des eigenen Clubs nämlich wichtiger als der Kampf um Platz eins. „Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft“ ist eine Redewendung, die dieses Gefühl vermittelt. Und in der Tat werden die Anhänger in Freiburg, Wolfsburg, Mainz und Hamburg derzeit kaum sagen, dass dies eine langweilige Saison sei.

Immer wieder wird in der Szene auch diskutiert, ob die Überlegenheit der Münchner durch diese oder jene Änderung im Bundesliga-Wettbewerb einzudämmen sei. Das wäre allerdings ein fataler Eingriff. Ein Verein darf nicht dafür bestraft werden, dass er sich hervorragende Bedingungen erarbeitet hat und der Konkurrenz in vielerlei Dingen voraus ist. Natürlich sind im Fußball, vor allem auf internationaler Ebene, durch ungehemmte Kapitalflüsse teils schlimme Auswüchse zu beobachten.

Dieses nun aber auf die Bundesliga herunterzubrechen und die Handlungsfähigkeit des FC Bayern einzuschränken, wäre falsch. Den Primus in einer Liga, die auf Wachstum und Entfaltungsmöglichkeiten setzt, in einer Art Planwirtschaft zu bremsen, ist unvorstellbar. So bleibt der Konkurrenz in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge nur, den Münchnern zur zweifellos verdienten Meisterschaft zu gratulieren.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)