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NWZonline.de Sport Fußball

10 000 Mitglieder sagen Servus

15.11.2019

München Uli Hoeneß wollte den FC Bayern immer „durchs große Tor“ verlassen. Und den Wunsch erfüllt ihm sein Verein. Die Münchner Olympiahalle hat der FC Bayern angemietet, um den 67-Jährigen nach 40 Jahren als Manager und Präsident auf großer Bühne zu verabschieden.

Es wird eine emotionale Jahreshauptversammlung werden, speziell für Hoeneß, der sich intensiv auf diesen Freitag (19 Uhr) vorbereitet. „Ich habe gehört, dass die Olympiahalle auseinanderplatzen wird. Wir sind gut beraten gewesen, das dort zu machen. Es werden um die 10 000 Mitglieder erwartet“, sagte Hoeneß: „Da ist einiges zu erwarten!“

Wortgewaltige Rede

Speziell von ihm. Auf die Abschiedsrede warten alle gespannt. Wie üblich will er sie in freier Rede vortragen: „Am Freitagmorgen weiß ich, was ich sage.“ Es ist Wortgewaltiges zu erwarten. Hoeneß war und ist ein Bauchmensch – und unberechenbar. Ein kurzes Resümee seines Schaffens gab er vorab. „Ich habe diesen Job wahnsinnig gern gemacht. Ich habe mich immer reingehängt und alles gegeben. Und ich glaube, das Ergebnis ist so schlecht nicht.“

Zwei große Fragen stellen sich. Wie wird es dem FC Bayern ohne Hoeneß ergehen? Und wie Hoeneß ohne sein Lebenswerk? „Über meine Zukunft werde ich am Samstag nachdenken, wenn ich am Tegernsee aufwache“, entgegnete Hoeneß. Er hat noch keine Antwort auf die Und-nun-Frage. „Ich werde zum ersten Mal am 16. November ohne Plan sein und ohne große Verantwortung. Das ist eine spannende Geschichte.“

Und der FC Bayern? Der Fußball-Rekordmeister hat schon eine kurze Zeitspanne ohne den polarisierenden Frontmann erproben müssen, als Hoeneß von Juni 2014 bis Februar 2016 eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung absaß und dafür seine Ämter niedergelegt hatte. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge führte den Verein durch diese schwierige, aber für den Club trotzdem erfolgreiche Zeit.

„Das war’s noch nicht“, lautete damals Hoeneß’ legendärer Satz auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Das war’s immer noch nicht, könnte und müsste er fünf Jahre später lauten. Denn ein Uli Hoeneß geht niemals so ganz, auch wenn er in den vergangenen, kraftraubenden Monaten die Weichen für die Zukunft nach seinem Willen gestellt hat.

Seinen Freund Herbert Hainer (65) hat er zu seinem Nachfolger erkoren. Ex-Kapitän Oliver Kahn wird Anfang Januar in den Vorstand einziehen und Ende 2021 Karl-Heinz Rummenigge (64) als Chef an der Club-Spitze ablösen. Als finale Personalie drückte der scheidende Präsident und Aufsichtsratchef Hoeneß in dieser Woche noch die Beförderung von Sportdirektor Hasan Salihamidzic zum Sportvorstand durch.

Sein Mandat im Aufsichtsrat bis November 2023 will er weiter wahrnehmen, wenn auch nicht mehr als Vorsitzender. Diesen Posten bekommt Hainer.

„Der ist noch da, keine Sorge“, antwortete Rummenigge auf die Frage, ob er Hoeneß an seiner Seite vermissen werde. Das spezielle Spannungsverhältnis zwischen beiden hemmte und trieb den Verein in den letzten Jahren. „Wir werden uns noch gegenseitig ausreichend austauschen und auch Dinge entscheiden“, sagte Rummenigge. Die Trainerfrage – nach dem Aus von Niko Kovac übergangsweise mit Hansi Flick gelöst – ist die dringendste.

Gast in Talkrunden

Die Medien werden weiter nach Hoeneß-Aussagen lechzen, weil sie Quote, Klickzahlen und Schlagzeilen garantieren. Hoeneß hat angekündigt, auch „mal wieder Gast bei einer politischen Talkrunde“ sein zu wollen. Darauf hatte er nach der Steueraffäre, die er seinen „allergrößten Fehler“ nannte, als Präsident des FC Bayern bewusst verzichtet.

An Hoeneß lässt sich gut die Entwicklung des Fußballs ablesen. Als junger Manager setzte er gezielt auf „Polarisierung“. Hoeneß erkannte Trends. Das Geldverdienen lag ihm als Schwabe im Blut. Mit zwölf Millionen D-Mark Umsatz und sieben Millionen Schulden legte er als 27-Jähriger beim FC Bayern los. 40 Jahre später kann der Bundesliga-Krösus einen Rekordumsatz von 750,4 Millionen Euro und einen Rekordgewinn nach Steuern von 52,5 Millionen Euro vorweisen.

Im modernen Fußball mischen neue Player mit. Investoren, Firmen, sogar Staaten, denen es nicht nur um den Sport geht. Fans sind längst zu Kunden geworden. Topspieler kosten 100 Millionen Euro und mehr. Hoeneß wirkt bisweilen aus der Zeit gefallen. Die Sprache ist roher geworden, das einst untrügliche Gespür für Trends und Attacken hat ihn häufiger verlassen. Er werde sicher „kein Golf spielender, älterer Rentner“ werden, hat er angekündigt: „Mir wird schon etwas einfallen.“

War’s das wirklich? Kaum vorstellbar bei Uli Hoeneß.

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