MüNCHEN - Jürgen Klinsmann hat noch Freude an seinem Job, doch nach dem Desaster beim FC Barcelona ist klar: Er ist bei Bayern München nur noch Trainer auf Abruf. Schon bei einem Remis in der Fußball-Bundesliga an diesem Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) wäre seine Amtszeit wohl vorzeitig beendet, die Nachfolgediskussion ist bereits in vollem Gange. Luca Toni hat das Team deshalb aufgefordert, im Kampf um die Meisterschaft auch für Klinsmann zu siegen. Wir müssen versuchen zu gewinnen: für den Trainer und die ganze Mannschaft, sagte der Stürmer am Freitag.
An eine Fortsetzung des Projekts Klinsmann über das Saisonende hinaus will an der Isar aber keiner mehr glauben. Außer Klinsmann selbst. Ich bin ein Kämpfer. Ich mache weiter und bin sicher, dass ich die Mannschaft noch erreiche. Ich kann mit diesem Team noch sehr viel bewegen, und ich weiß, wo man die Hebel ansetzen muss, sagte er nach dem 0:4 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Barcelona, das durchschnittlich 8,29 Millionen Zuschauer (Marktanteil 27,8 Prozent) am Fernseher verfolgten.
Seinen Vorgesetzten war der Spaß nach der neuerlichen Klatsche allerdings vergangen. Ich weiß nicht, was ich mehr bin: schockiert, traurig oder wütend, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einer denkwürdigen Bankett-Ansprache nach der Blamage gesagt, den sofortigen Rauswurf Klinsmanns schloss er aber aus. Es gilt jetzt, rational zu bleiben, keine unsinnigen Entscheidungen zu treffen.
Rummenigge hatte die Idee, Klinsmann nach München zu holen und gilt nach wie vor als Fürsprecher des Trainers. Manager Uli Hoeneß dagegen steht trotz jüngster Lippenbekenntnisse weniger deutlich zu ihm. Man müsse nun versuchen, in der Meisterschaft unsere Ziele zu erreichen, forderte Hoeneß: Gelingt das nicht, wird es sehr, sehr schwierig für Klinsmann.
Armin Veh, Matthias Sammer, Bernd Schuster, Frank Rijkaard und Sven-Göran Eriksson gelten als mögliche Klinsmann-Erben. Jetzt weiß die Mannschaft, dass es fünf vor zwölf ist, dass sie die drei Punkte Rückstand wettmachen muss. Aber ich bin absolut davon überzeugt, dass wir das schaffen, sagte Klinsmann.
Immerhin: Sollte für die Bayern nach dem Rückspiel am Dienstag (20.45 Uhr) das wahrscheinliche Champions-League-Aus besiegelt sein, können sie sich zumindest mit Einnahmen von über 45 Millionen Euro trösten.
