MüNCHEN - Wenn Franck Ribery, Luca Toni & Co. noch im warmen Bett liegen, verkauft Hans-Georg Schwarzenbeck schon Zeitungen. Fast jeden Tag um sechs Uhr morgens steht einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer hinter der Theke seines Schreibwarengeschäfts im Münchner Stadtteil Au, das er 1981 von seinen Tanten übernommen hat. Auch an diesem Donnerstag, wenn der einstige Vorstopper von Bayern München seinen 60. Geburtstag feiert, wird es nicht anders sein.

„Ich mag keinen Rummel, 60 ist eine Zahl wie jede andere. Ich werde wie immer im Laden sein und am Abend gemütlich mit der Familie feiern“, sagt „Katsche“ Schwarzenbeck, der schon als Fußballer Inbegriff des bescheidenen, anspruchslosen und bodenständigen Profis war.

Als „Putzer des Kaisers“ und „Wasserträger“ stand der kantige Abwehrspieler Franz Beckenbauer sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft tatkräftig zur Seite. Und es hat ihm nichts ausgemacht, dass er mit seiner etwas hölzernen, technisch unbedarften und ungelenk wirkenden Spielweise im Schatten des eleganten Liberos stand. „Ich habe mich nie zurückgesetzt gefühlt, denn ich wusste, was ich kann und was nicht“, erinnert er sich.

Ihm war es sogar recht, dass Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß oder Paul Breitner im Rampenlicht standen, denn Schwarzenbeck hasste den Medienrummel: „Von mir hätte die Presse nicht leben können. Ich bin unergiebig.“ Aber einmal, am 15. Mai 1974, stahl er doch allen die Schau, als er beim 1:1 im Europacupfinale gegen Atletico Madrid mit einem 25-Meter-Schuss den Bayern das Wiederholungsspiel rettete. Zwei Tage später gewannen die Münchner in Brüssel mit 4:0 und holten den ersten von drei Landesmeister-Erfolgen in Serie. „Das war der schönste Moment meiner Karriere“, sagt Schwarzenbeck.

Ein Achillessehnenriss, den er sich im August 1979 zugezogen hatte, zwang Schwarzenbeck ein knappes Jahr später, seine Laufbahn mit 32 Jahren zu beenden.

Anders als seine damaligen Mitspieler, die beim FC Bayern als Präsident, Manager oder Trainer Karriere machten, hatte Schwarzenbeck nie das Bedürfnis, einen Posten bei seinem Verein anzunehmen: „Trainer oder Manager, das war nicht mein Ding.“

In seinem Laden wird „meistens über Fußball“ geredet, erzählt Schwarzenbeck, der selbst nicht weiß, wie aus Hans-Georg „Katsche“ wurde: „Der Name war auf einmal da.“ Gelegentlich sieht er den Bayern im WM-Stadion zu. Ansonsten beschränkt sich der Kontakt mit dem Club darauf, die Geschäftsstelle mit Büromaterial zu beliefern.