MüNCHEN - Zwei Monate vor dem ersten Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) gegen Australien will Bundestrainer Joachim Löw zwar noch nicht Alarm schlagen, aber die Lage spitzt sich zu. „Ich sage es mal so: Ich mache mir keine Sorgen, aber die Situation ist ernst“, sagte er.

Vor allem der erarbeitete Plan für die WM-Vorbereitung gerät zunehmend ins Wanken. Statt am 12. Mai mit dem gesamten vorläufigen Kader ins Unternehmen „WM-Titel“ starten zu können, wird sowohl beim Test gegen Malta einen Tag später in Aachen als auch zu Beginn des Trainingslagers in Sizilien gleich eine ganze Elf fehlen – von Michael Ballack bis hin zu den Akteuren der Pokalfinalisten Bayern München und Werder Bremen. Sollte Bayern ins Champions-League-Finale (22. Mai) und der Hamburger SV ins Europa-League-Endspiel (12. Mai) einziehen, ergeben sich weitere Probleme für Löw.

Das sei „problematisch“, gestand Löw, der um einen gezielten Aufbau des Teams bis zur Abreise nach Südafrika am 6. Juni fürchtet: „Je später ich alle Spieler habe, desto schwieriger wird es, sie auf ein Niveau zu bringen.“

Zumal es unter den rund 30 heißen WM-Kandidaten mehr Sorgenkinder gibt, als Löw lieb sein kann. Und an die sandte der DFB-Chefcoach drei Wochen vor der Nominierung des vorläufigen Kaders am 6. Mai in Stuttgart einen Warnruf: „Unser Auswahlverfahren ist noch längst nicht abgeschlossen.“ Viele Spieler sind angeschlagen oder nicht in Form.

Zusammen mit seinen Trainerkollegen steckt Löw zurzeit im Schwarzwald den Fahrplan bis zur Nominierung und bis zum Start der WM-Vorbereitung ab. Im Bundesliga-Endspurt sollen einige Spieler nochmals gezielt beobachtet werden.

Für DFB-Präsident Theo Zwanziger ist eine Nominierung des Schalkers Kevin Kuranyi indes keine alleinige Frage der sportlichen Leistung, sondern auch eine Charakterfrage. Er habe eine eigene Meinung, werde aber die Entscheidung des Bundestrainers mittragen.