MüNCHEN - Typisch Oliver Kahn! Mit einem Spezialtraining bei seinem langjährigen Torwarttrainer Sepp Maier stimmt sich der Torhüter im Ruhestand auf sein „sehr emotionales“ Abschiedsspiel mit dem FC Bayern gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an diesem Dienstag (20 Uhr/ZDF) ein.
„Ich werde mit dem Seppi nochmal alles durchexerzieren, auch Freistöße und Elfmeter“, scherzte Kahn am Montag im neuen Leistungszentrum des Rekordmeisters, durch das ihn zuvor der neue Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann geführt hatte. „Mal sehen, ob mich Jürgen aufstellt“, sagte Kahn mit einem Grinsen.
Der „Titan“ will in der mit 69 000 Zuschauern ausverkauften Münchner WM-Arena beim letzten Auftritt in kurzen Hosen vor allem ein „Fest mit den Zuschauern“ und alten Weggefährten von Winfried Schäfer bis Rudi Völler zelebrieren. Ans „Gewinnen“, das ihn als Profi zwei Jahrzehnte zu Höchstleistungen antrieb, denkt der 39-Jährige nicht mehr: „Es geht darum, die 75 Minuten, die ich spielen werde, zu überleben.“
In Form ist der einst weltbeste Torhüter nicht mehr. „Ich bin mir nicht ganz so sicher, wie ich drauf bin. Ich verlasse mich auf meine Erfahrung“, flachste er. Die Entscheidung, dass er nicht noch einmal das Tor der Nationalelf hüten will, was er in 86 Länderspielen tat, solle man nicht überbewerten: „Darüber hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht. Das soll man nicht so eng sehen, wer wo spielt.“ Es sei für ihn eine „besondere Ehre“, dass die Nationalmannschaft zu seinem Abschied aufläuft, der für ihn auch zu einem letzten großen Zahltag wird.
Drei Monate nach dem Karriere-Ende vermittelt er nicht den Eindruck, als wenn ihm der Profi-Stress fehlen würde. „Die ersten drei Monate ohne Fußball waren fantastisch.“ Er hat viel Zeit mit der Familie verbracht, war vor Sardinien und an der Cote d'Azur mit dem Schiff unterwegs, hat Golf gespielt und sich erholt. „Was fehlt, ist die Mannschaft, der Flachs, der Spaß, die Freude“, verriet er.
Schon am Mittwoch kommender Woche wird er beim Länderspiel Finnland gegen Deutschland sein Debüt als ZDF-Experte geben. Dazu wird er seine Engagements in Asien und für den Deutschen Kinderschutzbund beim Motivationsprogramm „Ich schaff‘s“ intensivieren.
