MüNCHEN - Dass ihm sein berühmter Namensvetter Gerd Müller im Werbespot die Milch klaut, dürfte Thomas Müller gerade noch verkraften. Dass er bei Bayern München aber zuletzt zum Wackelkandidaten wurde, ist für den 22-Jährigen weitaus schwerer verdaulich.

Erstmals in seiner Karriere geht es für den lange Zeit gefeierten Jungstar nicht mehr nur steil bergauf. Müller erlebt die Schattenseiten seines Berufs als Fußball-Profi. Zuletzt äußerte sogar Franz Beckenbauer Kritik an Müllers Entwicklung.

„Er muss wieder mannschaftsdienlich spielen“, sagte Bayerns Ehrenpräsident Beckenbauer. Er habe gedacht, so Beckenbauer weiter, dass der Nationalspieler den Hype nach der WM 2010 „besser verkraftet. Er war so erfrischend, als er reinkam – das hat er verloren“.

Die Unbekümmertheit, mit der Müller in ein Spiel ging, die Frechheit, mit der er seine Tore erzielte, sind zuletzt nicht mehr zu bestaunen gewesen. Erst magere vier Treffer in 32 Liga-Einsätzen sind für Thomas Müller, bei der WM in Südafrika mit fünf Treffern noch der umjubelte Held und der WM-Torschützenkönig, zu wenig.

So verwunderte es kaum, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid (2:1) in der Startformation auf den 26-maligen Nationalspieler verzichtete – erstmals in so einem wichtigen Spiel. Erst nach 61 Minuten durfte Müller für Bastian Schweinsteiger ran.

Müllers Problem ist derzeit nicht nur die fehlende Leichtigkeit und Torgefährlichkeit, sondern auch seine Position. Den rechten Flügel der Bayern, dort, wo sich der wuselige Müller mit seinem laufintensiven Spiel am wohlsten fühlt und wo er auch in der Nationalmannschaft unumstritten ist, besetzt Arjen Robben. Links ist Franck Ribéry die klare Nummer eins.

Bleibt für Müller derzeit also nur die Rolle des Lückenfüllers für die beiden Superstars oder die weniger geliebte in der Offensiv-Zentrale des Bayern-Spiels. Doch dort hat sich wiederum der kreativere Toni Kroos etabliert – auch weil Müller schwächelt.

Eine Situation, die Müller nervt. Er glaubt aber nicht, dass ihn die derzeitige Phase in irgendeiner Form von seinem Weg abbringen könnte. Er sei „eher rational veranlagt“ und „mental stabil“.