MüNCHEN - Franz Beckenbauers unvergessene Wutrede, Giovane Elbers „süße Rache“ – die Champions-League-Duelle von Bayern München mit Olympique Lyon sind teilweise legendär. Zwei Siege, zwei Unentschieden, zwei Niederlagen lautet die Bilanz vor dem Halbfinal-Hinspiel an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/Sat 1) in München; passiert ist allerdings auf und neben dem Fußballplatz viel mehr.
Auf dem Weg zum Titelgewinn 2001 gingen die großen Bayern am 6. März 2001 im Zwischenrunden-Spiel in Lyon mit 0:3 unter. Schon nach 21 Minuten stand es 0:2, der noch heute für Olympique spielende französische Nationalspieler Sidney Govou hatte zweimal zugeschlagen. Nach der 90-minütigen Demontage auf dem Rasen folgte beim Mitternachtsbankett die „kaiserliche“ Abrechnung. Der damalige Präsident Beckenbauer sprach von „Altherrenfußball“ und verhöhnte das von Kapitän Stefan Effenberg und Torwart Oliver Kahn angeführte Team sogar als „Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft“.
Die Spieler lauschten im Ballsaal des Teamhotels entgeistert und mit gesenkten Köpfen, danach kam es auf Elbers Zimmer zum Schwur. „Dem zeigen wirs“, habe man sich gesagt, berichtete Elber rückblickend. Es folgten sechs Siege in Serie, unter anderem gegen Manchester United, Real Madrid und schließlich im Mailänder Endspiel gegen den FC Valencia.
Zwei Jahre später kam es zum Wiedersehen mit Lyon, und wieder endete es bitter für die Bayern. Das neu formierte Münchner Team um Michael Ballack verlor dieses Mal das Gruppen-Heimspiel gegen die Franzosen. Ausgerechnet der nach der Verpflichtung von Roy Makaay verstoßene langjährige Publikumsliebling Elber erzielte bei der Münchner 1:2-Pleite das Siegtor für Olympique. „Nach meinem Tor habe ich ein bisschen geweint, für die Bayern-Fans hat es mir wehgetan“, sagte der Brasilianer, nachdem er von den 59 000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion bei seiner Auswechslung mit stehenden Ovationen gewürdigt worden war.
In noch frischer und guter Erinnerung haben die Bayern-Fans das letzte Aufeinandertreffen mit dem französischen Serienmeister. Zum Abschluss der Gruppenphase der vergangenen Saison überrollte die Mannschaft des damaligen Trainers Jürgen Klinsmann den Gegner Olympique beim 3:2-Auswärtssieg in einer brillanten ersten Spielhälfte. Zweimal Miroslav Klose und Franck Ribéry sorgten für eine deutliche 3:0-Führung nach 37 Minuten. Beim Bankett nach dem Spiel gab es diesmal Lob statt Schelte.
