MüNCHEN - Den dritten Titel wohl verspielt, Franck Ribery gesperrt und Trainer Jürgen Klinsmann möglicherweise vor dem Aus: Bei Bayern München machen sich vier Wochen vor dem Saisonende immer mehr Auflösungserscheinungen breit. Nach dem enttäuschenden 0:1 (0:1) gegen Schalke 04 muss der deutsche Fußball-Meister aller Voraussicht nach nicht nur die letzte Titelhoffnung in dieser Saison begraben, sondern sich auch eingestehen, dass das Projekt Klinsmann nach 300 Tagen wohl endgültig gescheitert ist.
Königsblaue Euphorie
Während Schalke und dessen Interimscoach Mike Büskens nach dem vierten Sieg in Folge ohne Gegentor in königsblauer Euphorie schwelgten, herrschte bei den Bayern Weltuntergangsstimmung. „Der zweite Platz und die Qualifikation für die Champions League sind das absolute Muss“, reduzierte Klinsmann die Ziele. Am Sonntag leitete er wie
gewohnt das 20-minütige Regenerationstraining vor knapp 1000 Schaulustigen.
Vor 69 000 Zuschauern hinkten die Münchner am Tag zuvor jedoch einmal mehr ihren Ansprüchen hinterher. Bis zum 0:1 durch Halil Altintop (21. Minute) waren die Bemühungen durchaus noch ansehnlich, danach war vor allem spielerisch nicht mehr viel zu sehen. Präsident Franz Beckenbauer monierte, dass man nach dem Anfangselan nichts mehr zuzusetzen hatte. „Da fehlt das Kalkül. Fußball hat auch etwas mit Hirn zu tun“, kritisierte er die Spielweise der Bayern, die am kommenden Wochenende gegen Mönchengladbach Ribery (Gelb-Rot/76.) ersetzen müssen.
Dagegen präsentierte sich Schalke als Meister der Effektivität. Mit Geschick und Können verteidigten die Gäste um den guten Keeper Manuel Neuer ihre eindrucksvolle Serie unter den Interimstrainern Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck. Allerdings sah Jermaine Jones (70.) nach zwei heftigen Fouls an van Bommel die Rote Karte.
Büskens zurückhaltend
Immer lauter werden derweil die Stimmen auf Schalke, es auch in der kommenden Saison mit Büskens und Co. zu versuchen, zumal es unter deren Regie in bisher zehn Spielen, die Vorsaison mitgerechnet, neun Siege und ein Remis gab. Büskens gab sich indes gewohnt zurückhaltend. „Ich denke, dass Schalke die ganz große Lösung sucht. Das ist legitim.“
