MüNCHEN - Wie plant Bundestrainer Joachim Löw im Angriff für die Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli)? Und welche Rolle könnte Kevin Kuranyi in diesem System spielen? Diese beiden Fragen sind auch Bestandteil der Beratungen, für die sich der Trainer und sein Stab nach Baiersbronn im Schwarzwald zurückgezogen haben. Daher wird die Rückkehr des Schalker Torjägers in den Kreis der Nationalmannschaft nicht nur eine Frage der „Begnadigung“ durch den Bundestrainer sein, sondern viel mehr eine des System, mit dem er in Südafrika an den Start gehen will.
„Eines kann ich garantieren: Joachim Löw wird nur an das Wohl der Mannschaft denken“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Montag. Persönliche Gefühle des Bundestrainers würden „hinten anstehen“. Löw selbst deutete ein Trendwende an und scheint gewillt, Kuranyi, den er im Oktober 2008 aus dem Kader der Nationalelf verbannte, weil dieser sich in der Halbzeit des WM-Qualifikationsspiels gegen Russland (2:1) unerlaubt entfernte, wieder zu nominieren. „Es ist WM und da ist es wichtig, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen“, erklärte er.
Seit der EM 2008 hat Löw in allen wichtigen Partien das 4-2-3-1-System gewählt. Plant er auch für Südafrika mit nur einem zentralen Stürmer? Dann hätte er in den Münchnern Miroslav Klose und Mario Gomez, dem Leverkusener Stefan Kießling und Kuranyi gleich vier ähnliche Typen für eine einzige Planstelle zur Auswahl – Frust und Ärger sind dann vorprogrammiert.
Wer wäre da der Streichkandidat bei der vorläufigen Nominierung am 6. Mai? Für Kuranyis-Nominierung sprechen seine Topform und 18 Bundesliga-Tore. So häufig hat auch Kießling getroffen. Gomez wiederum hat im ersten Jahr beim FC Bayern bislang zehn Tore erzielt. Dies ist schlecht für Bankdrücker Klose (2 Saisontreffer).
Vieles spricht für Kuranyi. Schließlich sei er lange genug suspendiert worden, meinte der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld. Würde Löw den Schalker zurückholen, so sei dies auch ein Zeichen der Stärke des Trainers, fügte Hitzfeld an.
