MüNCHEN - Der Wiener trug stets das Herz auf der Zunge. DFB-Präsident Zwanziger würdigte den renommierten Coach.
Von Gerd Münster
MÜNCHEN - Der große Zampano ist tot. Trainer-Legende Max Merkel starb am späten Dienstagabend im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Putzbrunn bei München. Die Familie des gebürtigen Wieners, der Frau Marion und eine Tochter hinterlässt, bestätigte den Tod, der überall Betroffenheit auslöste. „Sein Tod erfüllt mich mit Trauer“, sagte gestern DFB-Präsident Theo Zwanziger, „er war ein großartiger Trainer und auch ein Unterhaltungskünstler.“ DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler, der im Urlaub in Österreich von der Nachricht überrascht wurde, bezeichnete Merkel als „tollen Trainer, wirklich netten Menschen und Spaßvogel, der immer einen Spruch auf den Lippen hatte“.Wie kaum ein anderer hatte Merkel den Fußball in seiner Trainerzeit und später als zynischer, aber auch humorvoller Kritiker verkauft. Doch in den letzten zwei Jahren scheute er die Öffentlichkeit. „Er hat sich nicht mehr vor die Tür getraut“, sagten Bekannte. Zuletzt sei der Kontakt abgerissen, erzählte Paul Breitner, der wie Merkel bissige Kommentare für die „Bild“-Zeitung schreibt. „Er war unbezahlbar für dieses Geschäft und quasi der Obertrommler“, erinnerte sich der ehemalige Bayern-Kapitän.
Auch als Trainer kannte Merkel keine Gnade. „Mit ihm hatten wir bei 1860 die erfolgreichsten Jahre“, sagte Torwart-Legende Petar Radenkovic, „aber wir Spieler hatten kein gutes Verhältnis zu ihm. Er war ein rücksichtsloser Mann.“ Mit „Zuckerbrot und Peitsche“ gewann Merkel als bestbezahlter Bundesliga-Trainer (17 000 Mark monatlich) vor der Meisterschaft 1966 auch den Pokal (1964) und erreichte das Europacupfinale der Pokalsieger (1965).
Die erste Station in Deutschland war Borussia Dortmund (1958-61), bevor er zu 1860 ging. Nach der dortigen Entlassung wechselte Merkel zum 1. FC Nürnberg, wo er 1969 den Titel holte. Sechs Jahren in Spanien bei FC Sevilla und Atletico Madrid folgten Gastspiele bei 1860, Schalke 04, FC Augsburg und Karlsruher SC.
