München - Uli Hoeneß hat sich jahrelang nach diesem Status gesehnt. Branchenprimus im deutschen Basketball zu sein, das passt zum Selbstverständnis des Weltclubs Bayern München. Und Hoeneß fühlt sich in der neuen Rolle pudelwohl. „Ich glaube, dass sich Basketball in München nun endgültig etabliert hat“, sagte der mächtige Präsident kurz vor dem Saisonbeginn. Eine Dominanz seines Teams wie im Fußball sieht der 66-Jährige aber nicht kommen.

Wenn die Münchner an diesem Freitag (19 Uhr/Sport 1) das Auftaktspiel zur neuen Spielzeit der Basketball Bundesliga (BBL) bei Ratiopharm Ulm bestreiten, wird der Double-Sieger ganz klar der Gejagte sein. Als größte Herausforderer in der Meisterschaft und im Pokal gelten erneut Vizemeister Alba Berlin und der entthronte Serienchampion Brose Bamberg, der aber nach einer verkorksten vergangenen Saison einen großen Umbruch auf allen Ebenen einleitete und finanziell erheblich abgespeckt hat. „Bamberg und Berlin werden voll dagegenhalten“, stellt sich Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic trotzdem auf harte Gegenwehr ein.

Die Konkurrenten werden genau beäugen, wie die neue deutsche Nummer eins die Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Pokal und der Euroleague stemmt. Die im Oktober beginnende europäische Königsklasse war lange Zeit der Sehnsuchtsort von Hoeneß und Co., nun ist dank der sportlichen Qualifikation als Meister und durch zwei Wildcards für drei Jahre der Verbleib in dem Wettbewerb gesichert. Die Vorfreude ist groß, doch Hoeneß hob auch den Zeigefinger.

„Wichtig ist bei aller Euroleague-Euphorie, nicht zu vergessen, dass wir unbedingt deutscher Meister sein wollen“, sagte Hoeneß, auch Pesic sieht die deutsche Liga auf der Prioritätenliste ganz oben. Nach den Verpflichtungen von Maodo Lo und Leon Radosevic (beide von Brose Bamberg) sowie des Finnen Petteri Koponen (FC Barcelona) motzten die Münchner ihren ohnehin schon starken Kader mit dem NBA-erfahrenen Flügelspieler Derrick Williams kurz vor dem Auftakt noch einmal auf. Ein Etat von geschätzt rund 20 Millionen Euro macht’s möglich.

Neuer Kapitän der Mannschaft von Trainer Dejan Radonjic ist der deutsche Nationalspieler Danilo Barthel, der sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Gesicht der Bayern entwickelt hat. Den Auftakt in Ulm wertet Barthel gleich als eines der „wichtigsten Spiele“: „Wir wollen natürlich nochmal eine ähnlich erfolgreiche Saison spielen wie die letzte, aber es wird sehr schwer.“

Das sieht auch Hoeneß so, von lockeren Titelgewinnen am Fließband wie im Fußball wähnt er seine Korbjäger ein gutes Stück entfernt. „Im Basketball sehe ich momentan weit und breit keine Dominanz unseres Clubs“, sagte Hoeneß dem Basketball-Magazin „BIG“. Doch der erreichte Status ist für ihn nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu Größerem. Die Bayern sollen auch im Basketball eine echte Nummer in Europa werden.